Einen gesunden Igel auswildern - So machen Sie es richtig!

Ein Igel wird in der späten Abenddämmerung ausgewildert. Foto: © Gertraude Göpner

Oktober 2018. Wer einen möglichst igelfreundlichen Garten zur Verfügung hat, kann sich im aktion tier Igelzentrum als Auswilderungsstelle anmelden. Denn wenn die Igel auf unserer Station wieder gesund sind, werden sie wieder in die Freiheit gelassen. Wie so eine Auswilderung abläuft und worauf sich Igelfreunde dabei einstellen müssen, hat Ihnen Igelexpertin Gertraude Göpner vom aktion tier Igelzrentum Niedersachsen zusammengefasst.

Ort und Umfeld der Auswilderung

Als Auswilderungsstelle eignen sich vor allem igelfreundliche Gärten. Wenn man den Garten naturbelassen bewirtschaftet, Laubhaufen, vielleicht einen Steinhaufen oder eine direkt über dem Boden beginnende, breite Hecke im Garten hat, oder dem Igel ein mit trockenem Laub gefülltes Holzhaus neben einer verlässlichen Futter- und Wasserstelle zur Verfügung stellt, bleibt er in der Regel im Garten und nimmt diese Angebote an.

Als naturnahes Nest eignet sich zum Beispiel ein mit Stroh oder Blättern gefülltes Holz-Igelhaus, eine Stein-Igelhöhle oder ein angelehntes Brett mit Stroh dahinter. Zusätzlich sollten Sie immer einen mindestens kniehohen Laubhaufen an windgeschützter Stelle zusammenharken, den Sie am besten unter eine Konifere oder ein Gebüsch harken und mit Reisig und kleinem Geäst beschweren. Dort stören Sie sich nicht optisch daran, das Laub kann nicht verweht werden und der Igel kann darin ein Winterschlafnest bauen. Er wird hineinkriechen und sich drinnen immer im Kreis drehen, so dass die Blätter schließlich dachziegelartig geschichtet um ihn herum liegen, wasserfest und wärmedämmend.

Anders als häufig propagiert ist es unserer Meinung nach nicht unbedingt notwendig, einen Jungigel erst in einem Freigehege an das Leben in der Natur zu gewöhnen. Ein der Vorbereitung auf das Leben in Freiheit dienendes Gehege müsste mindestens 10 qm groß sein, Gebüsch und verschiedenen Bodenbewuchs enthalten. Der Zaun darf nicht zum Klettern animieren (Verletzungsgefahr für den Igel!), und es muss Vorsorge getroffen werden, dass der Igel sich nicht unter dem Zaun durchgraben kann. Wenn es Greifvögel, Füchse, Marder, Waschbären, Eulen und Katzen in der Gegend gibt, sollte ein Gehege auch von oben abgedeckt sein, damit keine Tiere eindringen können, die entweder den Igel oder zumindest sein Futter fressen.

Wichtiger als diesen ganzen Aufwand zu betreiben, ist es uns, möglichst viele Igel aus der menschlichen Obhut noch vor dem Winterschlaf in die Freiheit zu entlassen!

Der richtige Zeitpunkt

Ein Igel wird in der späten Abenddämmerung ausgewildert. Bis dahin wird er in dem Auswilderungskarton gelassen, in dem Sie ihn von uns im aktion tier Igelzentrum bekommen haben, und an einem kühlen, ruhigen Ort abgestellt (Treppenhaus, Windfang, Garage, Keller).

In der späten Abenddämmerung müssen Sie den Igel dann in seinem Schlafhaus oder mitsamt dem Auswilderungskarton an die Futterstelle bringen. Bei einem Auswilderungskarton einfach den Klebestreifen von dem eingeschnittenen Tor entfernen, Tor aufklappen und es dem Igel selbst überlassen, wann er sich in die Freiheit wagt (30 Sekunden bis 3 Stunden, alles ist möglich).

Das Schlafhaus müssen Sie bitte am nächsten Tag wegnehmen bzw. das Papphaus wegwerfen, der Igel geht i. d.R. nicht wieder hinein und soll dies auch nicht.

Fütterung und Betreuung

Pro Igel 200 g Katzendosenfutter mit 2 bis 3 El. Igeltrockenfutter (z.B. von Vitakraft, lose erhältlich in einschlägigen Tierfuttergeschäften) oder weichen Haferflocken und 1 Tl. Speiseöl zu einem zähen Brei verrühren. Gefüllten Futter- und Wassernapf an eine geschützte Stelle mit Deckung im Garten und/oder vor das vorbereitete Nest oder den Laubhaufen stellen. Eine genaue Anleitung lesen Sie hier.

  • Die Futterstelle so lange beschicken, bis der Igel 5 Tage in Folge nicht mehr gekommen ist, oder bis es einen Wintereinbruch mit Frost und/oder Schnee gibt, oder bis Ende November.
  • Futterreste morgens wegwerfen, Futterstelle von Hinterlassenschaften reinigen.
  • Abends bei Einbruch der Dämmerung neues Futter hinstellen, auch wenn der Igel die ersten Nächte nicht kommt, weil er seinen Freiheitsrausch auslebt. Nach ein paar Nächten hat er so richtig Hunger und erinnert sich an die Futterstelle.
  • Wasserstelle allmählich in Richtung einer sicher vorhandenen Vogeltränke verschieben, bis man den Igelwassernapf weglassen kann.
  • Tiertränke täglich abends säubern und mit frischem Wasser füllen: Vogelmilben und Salmonellen schaden dem Igel.
  • Futterstelle spätabends kontrollieren: Kommen noch weitere Igel, sollte man die Futtermenge erhöhen, denn die haben es ebenfalls nötig.
  • Kommen Katzen, sollte man eine Futterkiste drüberstellen, z. B. eine Apfelsinen- oder Plastikkiste, in die man ein oder zwei 10 x 10 cm große Igeltore sägt. Eine Anleitung finden Sie hier. Igel gehen hemmungslos in eine solche Box hinein, Katzen, Füchse, Waschbären, Elstern und Krähen (morgens nach dem Hellwerden) bleiben draußen. Mit draufgetackerter Plastikfolie hat man auch auf einer Apfelsinenkiste gleich einen Regenschutz! Stein auf die Futterkiste legen oder seitlich fixieren, damit sie nicht umgeworfen oder herumgeschoben wird. Auch einen alten Wäschekorb kann man zum Futterhaus umfunktionieren. 
  • Kommen Ratten, bitte nur füttern, wenn man in der Nähe ist und sie verscheuchen kann. Futternapf wegnehmen, wenn man selbst zu Bett geht. Ratten bringen manche Nachbarn dazu, Rattengift auszulegen, das unter Umständen die ganze Igelpopulation ausrottet. Dann geht der Schuss mit der Futterstelle nach hinten los…

Einstellen der Fütterung Ende November

Es fällt nicht ganz leicht, Ende November auf einen Schlag mit dem Füttern aufzuhören, aber ist es das Richtige für die Igel. Wenn man das Futter peu à peu reduziert, fressen die Igel alles, was sie noch angeboten bekommen und bleiben so lange wach. Da das aber eine reduzierte Futtermenge ist, läuft man Gefahr, dass die Igel dann abnehmen. Daher ist es besser, sie mit einem plötzlichen Totalentzug zu konfrontieren, so dass sie mit dem erreichten Gewicht (hoffentlich) sehr bald winterschlafen gehen. Wenn man mit dem Füttern gar nicht aufhört, laufen die Igel eventuell eines Nachts im Schnee herum und finden den Eingang in ihre Nester nicht mehr.

Man erleichtert den Igeln den Nahrungsentzug und Winterschlafbeginn, wenn man konform mit der Wetterentwicklung aufhört zu füttern: Wenn die Prognose sagt „heute wird es deutlich kälter“, hört man mit dem Füttern auf, auch wenn es noch Ende November ist. Und wenn man in der Wetterprognose sieht, dass dies vielleicht erst am 4.12. so kommt, dann füttert man eben am 3.12. das letzte Mal.

Text: Gertraude Göpner