aktion tier IgelzentrumNiedersachsen
Logo: aktion tier – menschen für tiere e.V.
Logo: aktion tier Igelzentrum Niedersachsen
aktion tier Igelzentrum Niedersachsen

Der Igel

Der Igel ist eines der bekanntesten, und auch eines der ältesten Säugetiere. Wir möchten nicht nur über Igel informieren, sondern auch Hinweise geben, wie jedermann einen kleinen Beitrag zum Erhalt dieses nützlichen Wildtieres leisten kann.

Nicht jeder Igel benötigt menschliche Hilfe. Foto: © aktion tier e.V.

Das Verbreitungsgebiet des in Deutschland vorkommenden Europäischen Igels (Erinaceus europaeus), der auch Braunbrust- oder Westigel genannt wird, erstreckt sich fast über den gesamten europäischen Kontinent. Vor allem der Verlust von Lebensräumen, der Rückgang von Nahrungstieren und die Bedrohung durch den Straßenverkehr führen jedoch dazu, dass es bei uns immer weniger Igel gibt. Es wird Zeit, dass wir alle mithelfen, damit uns dieses nützliche Wildtier erhalten bleibt.

Uriges Stacheltier

Der Igel gehört zu einer Säugetierart, dessen Vorfahren bereits vor über 60 Millionen Jahren lebten. Mit seinen etwa 8.000 Stacheln ist er hierzulande einzigartig. Die aus Haaren entstandenen Stacheln dienen dem Schutz und ragen beim Einrollen spitz nach außen. Igel sind nachtaktive Einzelgänger. Tagsüber verkriechen sie sich in Ast- oder Laubhaufen, im Kompost, in Hecken oder unter Sträuchern. Sobald es dämmert, gehen sie auf Nahrungssuche.

Igel ernähren sich von Fleisch und fressen in der Regel weder Obst noch Gemüse. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem Regenwürmer, Schnecken, Insekten und Spinnen.

Erwachsene Igel werden ca. 30 cm groß und bis zu 1,5 kg schwer. In freier Wildbahn erreichen sie meistens nicht das vierte Lebensjahr, obwohl sie theoretisch bis zu sieben Jahre alt werden können. Die Tiere treffen sich nur zur Paarung zwischen Mai und August und gehen ansonsten getrennte Wege. Nach 35 Tagen bringt die Igelin durchschnittlich vier Junge zur Welt, die sie etwa 42 Tage lang säugt. Nach der Säugezeit gehen die Jungigel selbstständig auf Nahrungssuche. Mit ca. sechs Wochen verlassen sie das Nest, um ein eigenes Revier zu finden, denn jeder „Meckie“ benötigt rund 2.000 qm naturnahe Grünfläche, um satt zu werden.

Im Herbst wird ein Nest gebaut und mit Laub und trockenem Moos warm ausgepolstert. Außerdem fressen sich Igel ein dickes Fettdepot an, um den Winterschlaf, der bis zu einem halben Jahr andauern kann, zu überstehen.

Rechtlicher Schutz

Gemäß Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung gehört unser Igel zu den besonders geschützten Tierarten. Es ist unter anderem verboten, Igeln nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder gar zu töten. Auch die Fortpflanzungs- und Ruhestätten von Igeln dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden.

Igel in Gefahr

Der größte Feind des Igels ist der Mensch. Er hat die Natur weitestgehend in große, intensiv genutzte Agrarflächen verwandelt, die den Tieren weder Unterschlupf noch geeignete Nahrungstiere bieten. So wurden Igel zu sogenannten Kulturfolgern und leben heute vorrangig in den begrünten Randbereichen von Siedlungen sowie in Gärten und Parks. Aber auch dort sorgt der Mensch durch das Ausbringen von Pflanzenschutz- und Insektenvernichtungsmitteln dafür, dass es immer weniger Beutetiere gibt.

Die Schätzungen, wie viele Igel jährlich dem Straßenverkehr zum Opfer fallen, reichen von mehreren Hunderttausenden bis zu 1 Million. Angelockt durch Insekten, die an Autos abprallen, sind Igel regelmäßig auf Nahrungssuche an Straßen unterwegs. Da sie sich bei herankommenden Fahrzeugen reflexartig zusammenrollen statt davonzulaufen, werden sie weit häufiger überfahren als andere Säugetiere.

Weitere Gefahrenquellen für unsere Igel sind:

  • Netze für Obstbäume und -sträucher.
  • Ungeschützte Schächte und Gräben (v.a. an Baustellen).
  • Feuer (z.B. Osterfeuer, Verbrennen von Gartenabfällen und Schnittgut).
  • Maschinen wie Rasenmäher, Tellersensen und Fadenmäher.
  • Jeglicher Abfall in der Landschaft.

Der igelfreundliche Garten

Tierfreunde locken Igel an, indem sie ihren Garten strukturreich und naturnah gestalten. Monotones Einheitsgrün mit englischem Rasen und fremdländischen Zierpflanzen ist für die stacheligen Wildtiere uninteressant. Pflanzen Sie heimische Baum- und Straucharten, legen Sie Obst- und Gemüsebeete an und ergänzen Sie das Ganze mit Haufen von Steinen, Ästen oder Laub. Ein derart vielfältiger Garten beherbergt schnell zahlreiche Futtertiere des Igels und bietet ihm gute Versteckmöglichkeiten. Sie können außerdem aus einem alten Weidenkorb oder Tontopf leicht selbst eine Igelbehausung basteln oder professionelle Igelunterkünfte bei Naturversandhäusern bestellen.

Leider lauern auch in unseren Hausgärten zahlreiche Gefahren für Igel, die Sie unbedingt ausschalten sollten:

  • Mülltüten immer gut verschließen, sonst klettern neugierige Igel hinein und sitzen dann in der Falle.
  • Garagentore und die Türen von Gartenhäusern immer geschlossen halten. Versehentlich gefangene Igel können verhungern, wenn sie länger eingesperrt sind.
  • Vorsicht beim Umsetzen von Kompost! Stechen Sie nicht unbedacht mit einem Spaten oder einer Mistgabel hinein – es könnten Igel darin wohnen.
  • Wenn das Abbrennen von Gartenabfällen unumgänglich ist, schichten Sie den Haufen vor dem Anzünden vorsichtig um.
  • Verwenden Sie weder Gift noch chemische Düngemittel.
  • Decken Sie Lichtschächte und Swimming-Pools ab, und sichern Sie Außen-Kellertreppen.
  • Verzichten Sie auf den Einsatz von Gartenmaschinen (z.B. Laubsauger, Tellersensen, Fadenmäher).
  • Denken Sie an ausreichend große Durchgänge in der Gartenumzäunung, damit der Igel auch in Nachbars Garten laufen kann.

Igeln helfen, aber richtig!

Im Herbst werden häufig Igel eingesammelt, die völlig gesund sind und keinen menschlichen Beistand benötigen. Wenn Sie unsicher sind, informieren Sie sich bitte bei aktion tier oder einer anderen fachkundigen Stelle, bevor Sie das Tier mitnehmen.

Tatsächlich hilfebedürftig sind:

  • Verletzte und offensichtlich kranke Igel.
  • Igelsäuglinge mit geschlossenen Augen, die sich tagsüber außerhalb des Nestes befinden.
  • Untergewichtige Igel (Mindestgewicht Anfang November: Jungigel ca. 500 g, Alttiere ca. 1.000 g).
  • Igel, die bei Dauerfrost und geschlossener Schneedecke draußen herumlaufen. Bitte diese Tiere erst beobachten: Auch gesunde Igel können während des Winterschlafs aufwachen und das Nest verlassen (z.B. um Urin abzusetzen).

Das Naturschutzgesetz erlaubt nur die Aufnahme und Pflege kranker, verletzter und hilfloser Igel. Und auch diese Tiere müssen nach der Genesung unverzüglich wieder in die Freiheit entlassen werden. Wer einen gesunden Igel, der keine Hilfe benötigt, einfängt und mitnimmt, macht sich strafbar. Hat man ein tatsächlich in Not geratenes Tier aufgenommen, reichen gute Absichten nicht aus. Hier ist Fachwissen gefragt. Kranke und verletzte Igel gehören erst einmal zum fachkundigen Tierarzt. Die anschließende Pflege und Unterbringung kann eventuell vom Finder übernommen werden, wenn dieser sich vorher ausreichend informiert hat.

Hilfe vor Ort

In der Regel gehen erwachsene Igel Ende Oktober in den Winterschlaf. Nur die im Spätsommer geborenen Jungtiere suchen noch bis Anfang Dezember nach Nahrung und einem geeigneten Winterunterschlupf. Findet man im November, wenn es noch nicht schneit und friert, untergewichtige Jungigel, so kann man diesen relativ einfach helfen, indem man ihnen im Garten einen kleinen Futterplatz einrichtet und dort täglich ein Gemisch aus Igeltrockenfutter und Katzendosenfutter anbietet. An dieser Futterstelle kann sich der kleine `Meckie´ frei in seiner vertrauten Umgebung die fehlenden Gramme anfressen und dann in seinem Unterschlupf in Winterschlaf gehen. Bitte niemals Kuhmilch füttern, da Igel davon Durchfall bekommen.

Flyer kostenlos herunterladen

Unsere Igel - Outdoorprofis in Gefahr

Der Igel gehört zu einer sehr alten Säugetierart; inzwischen steht das stachelige Tier aber auf der Vorwarnliste innerhalb der Roten Liste von Sachsen-Anhalt. In Thüringen gilt der Igel bereits als gefährdete Tierart. Mit unserer Kampagne möchten wir nicht nur über Igel informieren, sondern auch Hinweise geben, wie jedermann einen kleinen Beitrag zum Erhalt dieses nützlichen Wildtieres leisten kann.

Infofilm "Unsere Igel"