Ein Gemeinschaftsprojekt von aktion tier und dem Verein "Igelschutzinitiative e.V."

Schaffen Sie Platz für Igel und Spatz!

aktion tier - Igelausstellung im Leinecenter
aktion tier Mitarbeiter begleiteten die Ausstellung im Leine-Center. Foto: © IGSI e.V.
Nisthilfen nach Vogelarten
Verschiedene Vogelarten bevorzugen unterschiedliche Nisthilfen. Das Team vom aktion tier Igelzentrum hat eine Übersicht zusammengestellt. Foto: © IGSI e.V.
 
 

Das Jahr 2017 hat für die Einrichtung „aktion tier Igelzentrum Niedersachsen“ mit den Vorbereitungen für die Kampagne „Schaffen Sie Platz für Igel und Spatz“ mit dem Ziel angefangen, rechtzeitig vor den Frühjahrsgartenarbeiten nicht nur Gartenbesitzerinnen und -besitzer dazu aufzufordern, Lebensräume für Wildtiere aufzuwerten oder neue zu schaffen.

Ein Bericht von Heike Philipps, Ambulanzleitung | Juni 2017

WWilde Gartentiere leiden unter akuter Wohnungsnot, sie lieben wilde Gärten. Menschen können mit dem „soziale Wohnungsbau für Wildtiere“ helfen! In unserem Beispielgarten konnten Betrachter viele Exponate zum Nachahmen entdecken. Das umzusetzen, muss nicht teuer sein. Wer handwerklich nicht geschickt ist oder ein außergewöhnliches Geschenk sucht, konnte verschiedene Nisthilfen käuflich am Stand erwerben oder einfach eine alte Holz-Apfelkiste als Unterschlupf selbst zweckentfremden.

Von ökologischer Bedeutung sind vernetzte Flächen und Strukturen. Auch in den Städten brauchen Wildtiere dicht begrünte „Trittsteine“, um sicher von der Futtersuche zurückzukehren oder um sicher von einem zum anderen Garten zu kommen. Es gilt, vorhandene Lebensräume qualitativ zu verbessern und auch neue zu schaffen, damit die nächste Generation nicht nur aus Büchern erfährt, wie Igel und Spatzen aussehen.

Sie wollen gleich anfangen?

  • Öffnen Sie Ihre Zäune, damit Frösche, Blindschleichen und Igel auch in Nachbars Garten gelangen!Legen Sie Stein-, Reisig- und/ oder Asthaufen an!
  • Spatzen brauchen Sandbäder, füllen Sie einfach eine Vogeltränke mit Vogelsand (im Drogeriemarkt erhältlich).
  • Schaffen Sie Ruhezonen in Ihrem Garten, die Sie mit Reisig abdecken und nicht ständig auf- oder umräumen.
  • Pflanzen Sie ein paar Meter Wildfruchthecke – dann haben Sie beides: Nahrung und Wohnung für wilde Gartenbewohner.
  • Verwenden Sie kein Gift im Garten!
  • Versorgen Sie regelmäßig flache Wasserstellen und bedenken Sie: Auch auf Friedhöfen leben Igel!
  • Bauen Sie doch einmal eine Trockenmauer oder eine Kräuterspirale, hier lassen sich gut Unterschlüpfe für viele Untermieter integrieren. Beide Bauwerke lassen sich an den kleinsten Reihenhausgarten anpassen!
  • Ganz einfach und praktisch kostenlos ist das Aufschichten eines „Multi-Tierhauses“ – das Sammeln der Zutaten und der Aufbau selbst macht nicht nur Kindern Spaß, es ist zudem noch nachhaltig spannend. Auf jedem Schulhof oder in jeder Kleingartenkolonie wird sich ein geeigneter Standort für 1qm finden lassen!
  • Entdecken Sie, welche Tiere sich in Ihrem Umfeld aufhalten, bieten Sie Nisthilfen an. Auch wenn Sie nur einen Balkon haben – Schmetterlinge, Ohrwürmer, Marienkäfer, Hummeln und Wildbienen finden ihn auch schön!
  • Hängen Sie Nistkästen auf, auch auf dem Balkon macht so etwas Sinn.
  • Wenn Sie einen Kleingarten haben, bringen Sie Bauanleitungen von Unterschlüpfen für Wildtiere in das Vereinsgeschehen ein (z.B. durch Veröffentlichung in den Informationsschaukästen, oder legen Sie selbst Hand an bei Arbeitseinsätzen in der Kolonie).

Hilfe durch die Freiwillige Feuerwehr Rethen

Am 10. März 2017 hat die Freiwillige Feuerwehr Rethen wieder einen starken Übungseinsatz zugunsten bedrohter Vogelarten mit der Drehleiter bei uns zugesagt. Über drei Stunden wurden in 10 m Höhe an unserer Einrichtung angebrachte Nistkästen für Mauersegler gereinigt, einige komplett ausgetauscht, weil die Einfluglöcher nachträglich „getunnelt“ werden mussten. Bisher hatte es um die 2013 angebrachten Nistkästen mehrfach Luftkämpfe zwischen den schon seit April brütenden Staren und den erst im Mai aus dem Süden kommenden Mauerseglern gegeben. Um aber beiden schützenswerten Vogelarten Unterschlupf zu bieten und den Kampf um Wohnraum zu verhindern, haben wir kurzerhand zusätzlich Starenkästen angeschafft und die eigentlich für Mauersegler vorgesehenen Nistkästen im Eingangsbereich mit einem Tunnel versehen. Sowohl Stare als auch Mauersegler sind Koloniebrüter, wobei Mauersegler mit extrem wenig Nistmaterial auskommen. Bei der Nistkastenreinigung fanden wir qualitativ gutes Nistmaterial vor (ohne Plastikschnüre, Tüten, Papier o.ä.).

Während des Übungsleitereinsatzes hat eine zeternde Spatzenschar im Hausbaum heftig gegen die „Umstrukturierungsmaßnahmen“ protestiert, gleich am nächsten Tag haben sie trotzdem zwei der für sie eigentlich nicht bestimmten Tunnelnistkästen besetzt. Offensichtlich hatten sie kein Problem damit, die nun vorhandene 8 cm lange „Diele“ zu durchschlüpfen. Nun hoffen wir, dass die Spatzenbrut schon flügge ist, bevor die Mauersegler Anfang Mai kommen und ihr gewohntes Zuhause beziehen wollen.

Unsere Einrichtung „aktion tier Igelzentrum NIEDERSACHSEN“ ist zwar eine Auffangstation nur für Igel, wir sehen jedoch das Haus und unseren Schaugarten sowie unser Umfeld ganzheitlich und tun in der arbeitsärmeren Winterschlafzeit auch etwas für andere Tierarten. Immer wieder sind wir überrascht, wie schnell sich durchaus gewünschte Untermieter einfinden.

Wenn die Bäume noch nicht belaubt sind, lässt sich das Anbringen von Nistkästen auch in Schwindel erregender Höhe gut bewerkstelligen. Oft geht es aber nicht ohne Ausstell-Leiter, weil viele Vogelarten Nisthilfen nur in einer Höhe von mindestens 3-4 m über dem Boden akzeptieren. Beim Anbringen von Nisthilfen sind auch Akkuschrauber oder Hammer erforderlich, um die manchmal die nicht gerade leichten Nisthilfen sicher anzubringen.

Wenn Nistkästen aufgehängt werden, ist das jährliche Reinigen und Kontrollieren unbedingt notwendig! Verbleiben alte Nistmaterialien in der Nisthilfe, werden im Folgejahr neue Nester einfach aufgesetzt, möglicherweise aber vorhandene Parasiten oder Bakterien in das frische Nest übertragen. Auch verwenden Spatzen und Stare komplett andere Nistmaterialien als z.B. Mauersegler. Alte Plastikschnüre oder Bänder verheddern sich unter Umständen an den Füßen oder Flügeln dieser nicht kleinen Vogelart. So kommt es vor, dass Mauersegler im schlimmsten Fall kopfüber und tot aus der Nisthilfe hängen. Bei Mauersegler-Nisthilfen könnte man alternativ zur jährlichen Reinigung die Einflugöffnungen nach dem Brüten (August) schließen und kurz vor der Ankunft (Mai) wieder öffnen. Für beide Einsätze braucht es eine lange Ausziehleiter oder die örtliche Feuerwehr mit einer Drehleiter.

Wussten Sie,

  • … dass z.B. ein großer Vogelbeerbaum 63 Vogelarten Nahrung bietet?
  • … dass eine große Eiche für über 300 Tierarten nützlich ist?
  • … dass auch schattige Staudenbeete bunt und nützlich sein können? Akelei, Fingerhut und Lungenkraut bringen richtig Farbe ins Beet und bieten Hummeln & Co. Nahrung!
  • … dass Stieglitze sich hauptsächlich von Löwenzahn- und Distelsamen ernähren? Deshalb diese Pflanzen dulden und nicht verteufeln!
  • … dass wilder Thymian auf Rasenoder Grünflächen vielen Hummel- Bienen- und Schmetterlingsarten Nahrung bietet! Machen Sie nicht zu früh den ersten Rasenschnitt, oder mähen Sie einfach rund und vorkommenden Thymian herum, lassen Sie Thymian-Kissen stehen.

…und was tat sich derweil in unserer Igel-Station?

Über 300 Igel haben in unserer Einrichtung 2016/2017 die sogenannte „häusliche Überwinterung in menschlicher Obhut“ genossen, die meisten von ihnen waren im Herbst gekommen und konnten sich nicht so schnell erholen, um vor dem Kälteeinbruch noch wieder ausgewildert zu werden. Über 25 % der Überwinterungsgäste waren aktiv während der Winterschlafzeit im Garten, auf der Straße oder in Wohngebieten aufgegriffen und uns gebracht worden. Alle Tiere hatten mindestens ein Problem: Sie waren entweder krank, untergewichtig oder verletzt, sehr oft waren Fundorte nicht als Lebensraum geeignet oder das Nest zerstört. Insgesamt waren seit Mitte August 2016 bis Mitte April mehr als 1.200 Tiere ambulant oder stationär in unserer Einrichtung untergebracht.