Ein Gemeinschaftsprojekt von aktion tier und dem Verein "Igelschutzinitiative e.V."

Aus dem Tagebuch des aktion tier Igelzentrums Niedersachsen

Tagebuch August - Dezember 2016

Dezember 2016. Von Heike Phillips, Ambulanzleitung aktion tier-Igelzentrum Niedersachsen. Die Einrichtung aktion tier-Igelzentrum Niedersachsen befindet sich im alten Ortsteil von Laatzen (Grasdorf) nahe der weiträumig und landschaftlich schön gelegenen Leinemasch mit vielen Spazier- und Rundwegen. Es lohnt sich durchaus, einen Tagesausflug in unsere Nähe zu planen und sich nach oder vor einem „Luftbad in der Leinemasch“ in unserem Haus aufzuwärmen und umzusehen. Ganz in unserer Nähe befinden sich die historisch bedeutende St. Marienkirche, die zu einigen Zeitabschnitten Besichtigungen ermöglicht. Ganz in der Nähe befinden sich Spielplätze und das „Café am Südtor“ im alten Dorfkern mit einigen sehr alten und schönen Fachwerkhäusern. Mit dem Monat AUGUST beginnt in der „Igelszene“ das neue Igeljahr und eben auch die Igelhaupt- und Arbeitssaison, für unsere Mitarbeiterinnen ist Urlaubssperre angesagt. Beim Wildtier Igel sind die meisten Alttier-Igelweibchen in Niedersachsen mit ihrem Nachwuchs (3-9 Kinder) beschäftigt.

So kam es, dass pünktlich zum 13. August die ersten Igelwaisen ins Haus kamen. Das Entfernen einer alten Buchsbaumhecke hatte ein Igelnest mit sechs noch sehr jungen Igelkindern zutage gebracht. Die Gartenbesitzer waren recht erschrocken und die Igelmutter vermutlich auch, sie hat das Weite gesucht und ist nicht wieder gekommen. Die Igelfinder scheuten die weite Anfahrt aus dem Weserbergland zu uns nicht, und unsere Mitarbeiterin hat seit dem 13. August bis Mitte September fast schlaflose Nächte – alle zwei Stunden klingelt der Wecker, die Kleinen haben Hunger und brauchen eine neue Wärmflasche. Sehr sorgfältig sind Nahrungsmenge und vor allem die Zusammensetzung zu protokollieren. Die Trockenmilch, die mit Fenchel- oder Kümmeltee angemischt wird, ist eigentlich eine Milch für Hundewelpen. Es funktionieren nur sehr wenige Sorten mit einem möglichst geringen Anteil von Milchzucker, den besonders so kleine Igelkinder nicht vertragen. Im Laufe des Monats gesellen sich noch viele andere Würfe und Einzelfindlinge zu unserer Mitarbeiterin, die für die Jungenaufzucht verantwortlich ist. Sie ist in diesem Zeitraum vom Dienst in der Ambulanz befreit und für Igelbabyfinder direkt übers Handy erreichbar. Sobald die Kleinen – meist nach einigen Wochen – selbstständig schleckern können, werden diese in unsere Ambulanz gebracht, wo weiterhin die Wärmflaschen ständig aufgefrischt werden. Die Ambulanz ist während der Sommermonate zumeist mit Alttieren beschäftigt, oft mit Verletzungen durch motorbetriebene Gartengeräte oder Mausefallen. Waschmaschine und Trockner laufen mehrfach am Tag und reinigen die schönen, weichen Frottee-Handtücher. Mitte September ist der alte Trockner so defekt, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. Ein Aufruf im Newsletter schafft schnell Abhilfe, ruckzuck sind genügend Spenden da, um einen neuen Trockner anzuschaffen. Als nächstes funktioniert gerade mal wieder unsere alte Geschirrspülmaschine nicht – der Reparaturdienst ist schnell, aber teuer. Es bleibt keine Zeit zum Überlegen, das von Hand abwaschen der 300 Teller dauert zu lange und raubt unseren Mitarbeiterinnen die Zeit. Wir schaffen es, zwischendurch zwei wichtige Vorstandssitzungen abzuhalten.

Trotz warmer Temperaturen müssen die Boxen mit dem Schild „Wurf“ oder „Igelbaby“ vier Mal täglich und einmal nachts getauscht werden. Ein Arbeitsgang dauert alleine zwei Stunden. Alle Wasserkocher sind auch dauernd in Betrieb. Wir sind froh, dass in unserer Einrichtung eine Berufsschülerin ein Praktikum absolviert, sie wird uns ein Jahr lang helfen. Für drei Tage ist eine Mitarbeiterin der aktion tier-Wildtierstation Sachsenhagen bei uns als Praktikantin zu Gast.

Wir stellen am Fütterungsergebnis fest, dass sich die Igelauf-zuchtmilch im Milchzuckergehalt geändert hat, ein Neutralisierungsmittel kommt zum Einsatz, das Blähbäuche verhindert, Kümmeltee ist effektiver als Fencheltee. Leider verlieren wir doch einige Igelbabys. Das wäre vermeidbar gewesen, hätte die Herstellerfirma nicht die Rezeptur geändert oder hätten wir vorher davon erfahren. Das Kleingedruckte werden wir künftig vor dem Kauf der Produkte überprüfen. Ende August haben wir beim Sommerfest einen Stand in der aktion tier-Wildtierstation Sachsenhagen. Es kommen sehr viele Besucher, und somit kommt auch einiges Geld in die Kasse.

Im September war unser Haus schon voll belegt

Schon Anfang September waren über 100 Igel im Haus, morgens ist ab fünf Uhr Licht in den Stationsräumen – zur Ankunft der angemeldeten Schulklassen ab 9.30 Uhr muss alles Sichtbare sauber sein. Bis Ende November ist schon alles für Besuchergruppen ausgebucht, neuerdings auch in den Ferien. Der Monat September bot für Menschen ein Bilderbuchwetter: schön warm und ohne Regen. Es ist zu vermuten, dass bei vielen säugenden Igelmüttern mangels Wasserstelle die so wichtige Milch für die Kleinen versiegt ist, so dass sie ihre Kleinen schon recht früh und mit viel zu geringem Gewicht in die nicht einfache Außenwelt schicken mussten. Viele aufmerksame Naturfreunde haben unabhängig voneinander berichtet, dass Igelweibchen mit ihrem Nachwuchs mitten auf dem Rasen und auf Grünflächen nach Nahrung und Wasser gekratzt haben (was sie sonst nie tun – Igelmütter gehen nicht mit ihren Kindern spazieren! Igelkinder sind gut erzogen – sie bleiben normalerweise bis zu einem Gewicht von 200-250 g im Nest, bis das Muttertier von der Nahrungssuche zurückkehrt). So kam es, dass in diesem Jahr erstmals nach fast 30 Jahren komplette Igelwürfe mit Igelkindern, zwar in gutem Zustand, aber viel zu leicht und deutlich unter 100 g, als wirkliche Notfälle ins Haus kamen. Das Haus war schon Mitte September voll belegt und die laufende Nummer 300 seit dem 15. August 2016 durch!

Heutzutage sind die Lebensräume der Igel nicht mehr optimal, eigentlich ganz und gar nicht artgerecht und eben auch viel, viel zu klein. Viele Menschen meinen, Igel sind allgegenwärtig und der Igelbestand hätte wahnsinnig zugenommen. Doch der Schein trügt! Der ursprüngliche Lebensraum der Igel ist infolge einer völlig überdimensionierten Flurbereinigung in den 70er und 80er Jahren völlig zerstört. Dem Überlebenskünstler und Pfiffikus Igel ist ein Umzug in unsere Gärten und Parks, sogar mitten in Stadt und Dorf gelungen. Igel sind seitdem manchmal mitten in der Stadt oder mitten im Dorf, in Gewerbegebieten, auf Firmengeländen, in Schulgärten oder auf kleinen Verkehrsinseln anzutreffen, eben da, wo es immer auch Menschen gibt. Der Mensch sieht und registriert somit fast jede Aktivität des Stacheltiers. Ein Glück ist, dass Igel nachtaktiv sind, da ist die Welt für sie etwas weniger gefährlich als tagsüber.

Ein Igelleben ist heutzutage wirklich nicht einfach! Schon allein die Nahrungssuche oder die Suche nach einem Schlafplatz setzt einen Durchschlupf im Bretterzaun, ein Überklettern einer Mauer oder ein Durchzwängen durch einen Maschendraht voraus. 

  • Igel stehen ganzjährig unter Naturschutz (NNatSchG und BNatSchG): Dazu gehört auch, dass Lebensräume für Igel wieder hergestellt oder wenigstens aufgewertet werden!
  • Igel haben kaum noch die nötigen ruhigen Plätze für ihre Wochenstuben und für ihre Tagschlafund für Winterschlafplätze, die sie mehrere Monate bewohnen. Immer wieder werden sie von Lärm gestört, ihre Nester werden zerstört, oder es werden durch motorbetriebene Gartengeräte Verletzungen zugefügt. Zusätzlich belastet die ständige Nahrungsknappheit die Gesundheit der Wildtiere.
  • Viele Menschen wissen viel zu wenig über das Urtier Igel, oft werden in gutgemeinter Absicht Igel zur falschen Zeit zum falschen Ort umgesiedelt.
  • Grünpflegekolonnen der Kommunen beschäftigen aus Kostengründen vielerorts kein Fachpersonal, so kommt es vor, dass bei übermäßiger Grünpflege das wenige Deckungsgrün in der Stadt und im Dorf auch noch entfernt wird, Laubsauger saugen mühelos 100 g Stachelkugeln auf!
  • Blätter sind ein Geschenk des Himmels, sie gehören nicht in die Tüte – bitte lassen Sie Blätter liegen und kehren sie auf einen Haufen in eine ruhige Ecke, damit Igel ein Dach über dem Kopf haben. Natürlich dürfen Kinder nicht hineinspringen, zur Not hilft ein Schild „Psssst, hier schläft vielleicht ein Igel!“.

Einzelschicksale …

Igelkinder von der Bushaltestelle

Eine Igelin hatte keinen anderen Platz für ihre Wochenstube gefunden, als einen einzig vorhandenen Strauch an einer Bushaltestelle. Niemand hatte das Nest bemerkt. Als es im Nest zu eng wurde, hatte das Muttertier wohl 20 m entfernt ihren Tagesschlafplatz, sie lief aus lauter Sorge auch tagsüber immer wieder zu ihren Kindern, um nach dem Rechten zu schauen. Den wartenden Fahrgästen war dieses nicht geheuer, erst nach dem 5. Anruf konnten wir davon überzeugen, dass es besser ist, den kompletten Wurf samt Muttertier aufzunehmen und zu uns zu bringen. Diese Entscheidung war richtig, der schmale Grünstreifen an der stark befahrenen Straße mitten in Hannover hätte für den ganzen Wurf als Lebensraum nicht ausgereicht. Die Igelüberbringer haben das gut erholte Muttertier mit zwei Jungen Anfang Oktober zum Aussetzen in ihren Garten abgeholt, die anderen drei kamen in einen schönen Obstgarten im Raum Hildesheim.

Igel im Maschendraht

Vier Igeln, die längere Zeit im Maschendraht eingezwängt waren, konnten wir trotz aller Mühen nicht mehr helfen. Unsere Mitarbeiterinnen schlucken die Tränen schnell herunter, es ist keine Zeit zum Trauern und Weinen – im kleinen Nebenraum warten weitere Sorgenkinder.

Igel im Swimmingpool

Igel haben nicht viel Ausdauer und beim Hereinfallen in einen Pool keine Chance. Eine Altigelin muss wohl einige Minuten verzweifelt geschwommen sein, bis die Grundstücksbesitzer das Tier entdeckten und aus dem Wasser holten. Die Igelin brauchte Wochen, um sich zu erholen. Inzwischen ist sie in einem anderen Garten wieder in Freiheit.

Kellerkinder

Viele Igelkinder fallen aufgrund ihrer Unerfahrenheit bei ihren ersten Ausflügen in Licht- oder Kellerschächte, auch Sandkästen sind für Igel eine Falle! Allein 24 kleinen und ausgetrockneten Stachelkugeln konnten wir mittels Wärmflaschen und Infusionen eine neue Chance geben. Viele der Igel waren länger als fünf Tage ohne Futter und Wasser und vor allem ohne das wärmende Muttertier, oft kamen sie mehr tot als lebendig in unsere Ambulanz. Das Personal staunt immer wieder, das Wärme die Tiere buchstäblich wieder zum Leben erweckt.

Taxi-Igel

Am 11. September war in Niedersachsen Wahltag, viele Spaziergänger waren bei sonnigem Wetter unterwegs, die daher auch viele sonnenhungrige Igel auf den Gehwegen entdeckt haben. So erging es einigen Parteikollegen, die unterwegs zu einer Geburtstagsfeier waren. Per Handy wurde geklärt, dass ein Hühnerei großer Igel sofort in unsere Ambulanz muss. Da kein Auto vorhanden war, empfahlen wir, das Tier mit dem Taxi bringen zu lassen. Flugs wurde das Igelchen mit ein paar Blättern in die Geschenktüte gelegt, dem Taxifahrer eine Anzahlung gegeben, eine Stunde später lag das Tierchen auf der Wärmflasche und streckte bald seine Nase heraus, um am Futter zu schleckern. In einem anderen Fall rief eine ältere und alleinstehende Dame an, die einen Igel vor der Kellertür gefunden hatte. Kein Auto – kein Nachbar – keine Verwandten, auch hier kam ein Taxi zum Einsatz, das Tier kommt ebenfalls in knapp einer ¾ Stunde vom östlichen Teil von Hannover. Ein Leichtgewicht Mitte Oktober 2016 mit 87 g, nach gieriger Wasseraufnahme 97 g: das Foto (o.l.) – ohne Worte, aber mit vielen Stacheln!

GENIAL: Das Albert-Einstein-Igelhaus

Das Igelhaus trägt den Namen von Albert Einstein, weil die Schule, die sie im Werkunterricht baut, so heißt. Das Haus ist nach englischem Vorbild halbrund und stabil gebaut, es hat absichtlich keinen Boden. Die jährliche „Reinigung“ kann so unterbleiben, man verändert einfach den Standort und hat wieder eine saubere „Hütte“. Das Haus kann sowohl als Futterhaus (damit Nachbars Katze nicht das Futter wegholt) als auch als Wochenstube oder Winterschlafhaus mit Stroh oder Laub gefüllt dienen. Das Albert-Einstein-Igelhaus ist in unserer Einrichtung für 20,00 Euro erhältlich, im Ausnahmefall verschicken wir es auch (allerdings kostet das Porto fast 10 Euro).

Tagebuch Oktober/ November 2016

v.l.n.r. Heike Philipps, Angelika Walther (Vize-Regionspräsidentin Hannover). Foto: © Wille Grafikdesign & Fotografie
v.l.n.r. Heike Philipps, Angelika Walther (Vize-Regionspräsidentin Hannover). Foto: © Wille Grafikdesign & Fotografie
v.l.n.r. Jörg Ausmeier, Alexander Halm (beide REWE/ PENNY), Heike Philipps. Foto: © aktion tier e.V.
v.l.n.r. Jörg Ausmeier, Alexander Halm (beide REWE/ PENNY), Heike Philipps. Foto: © aktion tier e.V.
 
 

Das aktion tier Igelzentrum Niedersachsen freut sich über drei schöne Ereignisse zum Jahresende 2016.

Am 28. Oktober wurde der Leiterin des Igelzentrums Niedersachsen, Heike Philipps, das Bundesverdienstkreuz am Bande durch die Vize Regionspräsidentin, Angelika Walther, in Hannover übergeben. Der Bundespräsident Joachim Gauck hatte Frau Philipps das Bundesverdienstkreuz bereits im Juli dieses Jahres für ihren jahrzehntelangen Einsatz für das Allgemeinwohl und im Besonderen für den Igel verliehen.

Am 16. November überreichte die Unternehmensgruppe Penny/REWE dem aktion tier Igelzentrum eine großzügige Futterspende. 1720 Dosen Katzenfutter wurden für die Versorgung der hungrigen Igel bereits im 8. Jahr in Folge zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank an Penny/REWE.

Am 29. November erhielten die Mitarbeiter des Igelzentrums Niedersachsen den Ehrenamtspreis der Sparkasse Hannover. Dieser Preis ist in diesem Jahr mit 5000,00 Euro dotiert. Alle Beteiligten sind für diese Anerkennung ihrer Leistung glücklich und dankbar.


Tagebuch September/ Oktober 2016.

Ab Mitte August ist das Team im aktion tier Igelzentrum Niedersachsen „von Kopf bis Fuß“ auf Igelwaisen eingestellt. Prompt und pünktlich kamen mehrere Igel-Würfe mit relativ kleinen Igeln schon am 13.8. zu uns. Nun, Ende September, nähern wir uns schon der „Nummer 200“. All unsere „Unglücksraben“ genießen ihre Ersatznester mit stets frischer Wärmflasche unter dicken Handtüchern.

Neben den stacheligen Gästen haben sich auch schon zahlreiche Besuchergruppen, meistens Grundschulklassen, aber auch Erwachsenengruppen im aktion tier Igelzentrum angemeldet, um mehr über das stachelige Säugetier zu erfahren und sich die Igelstation anzuschauen.

Fast alle Alttier-Igelweibchen dürften derzeit noch mit dem Nachwuchs beschäftigt sein, in Niedersachsen kommen die meisten Igel im August/September zur Welt. Die durchschnittlich 5-7 Jungen bleiben solange im Nest, bis sie selbständig überlebensfähig sind und ein Gewicht von 200-250 g haben -meistens ist dies Mitte September der Fall. Dann sieht man schon mal einen ganzen Wurf kleiner Igel durch den Garten huschen, die erst lernen müssen, als nachtaktive Wildtiere erst bei Einbruch der Dunkelheit ihre neue Welt zu entdecken.

Die Igelmutter braucht für das Aufziehen ihrer Kleinen unbedingt Ruhe! Fast jede Störung führt dazu, dass entweder die Jungen nicht mehr versorgt werden oder dass die Igelmutter mit dem Nachwuchs in Panik umzieht. Das ist gefährlich und fordert immer Opfer. Fast 100 Igelwaisen (Leichtgewichte von 20 bis 81g) sind wegen solcher Störungen in der Obhut des aktion tier Igelzentrums.

Ein Vermeiden ist möglich, wenn Gartenarbeiten mit Vorsicht und Augenmaß erledigt werden: Liebe Gartenbesitzer, bitte schneidet nicht unbedacht Büsche und Sträucher! Auch gelagerte Strohballen sollten mit Bedacht entfernt werden. Tipps zum Igelschutz im Garten finden Sie hier.



Winterschlaf-Zeit: Tagebuch November 2015 bis Januar 2016

Kinder zu Besuch im aktion tier Igelzentrum
Die Kinder staunen, wie schwer ein Igel ist. Foto: © IGSI e.V.
Winterschlafkeller im Igelzentrum
Besuchergruppen bringen, wenn es an der Zeit ist, zum Abschluss des Besuchs einen Winterschlafigel in den Keller, um ihn für noch vier Monate in den Winterschlaf zu schicken. Foto: © IGSI e.V.
Vorbereiten der Winterschlaflager
Die Winterschlaflager werden vorbereitet. Foto: © IGSI e.V.
Zeitungsvorrat
Zeitungsvorrat: ein unerlässliches Hilfsmittel im aktion tier Igelzentrum. Foto: © IGSI e.V.
Ehepaar Gunnar und Claudia Fechner
Das Ehepaar Gunnar und Claudia Fechner überbringt vor Weihnachten eine Spende in Höhe von 500 EUR vom Familienunternehmen GF Elektronik Isernhagen. Foto: © IGSI e.V.
REWE Penny spendet zwei Paletten Katzendosenfutter
REWE Penny spendet zwei Paletten Katzendosenfutter. Ute Ratzmann vom Personalrat und Verkaufsleiter Lutz Ehlers sind Überbringer. Foto: © IGSI e.V.
Weihnachtsdeko im Schaugarten des aktion tier Igelzentrums.
Weihnachtsdeko im Schaugarten des aktion tier Igelzentrums. Foto: © IGSI e.V.
Eine gute Fee
Unsere gute Fee beim Frühjahrsputz. Foto: © IGSI e.V.
 
 

Von Heike Philipps, Ambulanzleitung aktion tier-Igelzentrum Niedersachsen, April 2016. Das aktion tier-Igelzentrum Niedersachsen befindet sich in Laatzen-Grasdorf, nahe dem Landschaftsschutzgebiet „Leinemasch“, wo man neben einem Luftbad durchaus viele Wildtierbeobachtungen machen kann – vom Storch bis zum Reiher, Fledermäuse, ganze Spatzenscharen in der Hecke oder beim Sandbad, der Zaunkönig oder zahlreiche Raubvogelarten – manchmal sind auch Fuchs und Hase zugegen oder sehr oft auch auf den Wiesen Rehe.

Wer das aktion tier-Igelzentrum Niedersachsen besucht, kann sich hier eine ganze Weile aufhalten, in der Ausstellung nach einem Spaziergang in der Leinemasch aufwärmen und sich mit Informationsmaterial oder Literatur versorgen, das Haus mit all seinen Räumen in Augenschein nehmen, die Winterschlafstation anschauen und natürlich die Pflegeräume, wo der eine oder andere stabile Igel auch aus der Box geholt und gezeigt wird. Während der Öffnungszeiten herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, es gibt für Besucher immer etwas zu entdecken. Auch im Winter ist unser kleiner Minischaugarten schön, man findet viele Dinge, die man im eigenen Garten auch integrieren kann.

Es ist Anfang November, innerhalb der Woche ist von Montag bis Freitag der Schulungsraum in den Vormittagsstunden von Besuchergruppen, hauptsächlich Grundschulklassen, belegt. Die Termine dafür waren bis Ende Januar 2016 schon reserviert und restlos ausgebucht. Der Schulungsraum selbst bietet Platz für eine Schulklasse mit Begleitpersonal, heute müssen wir noch Ersatzstühle aus dem Büro holen, um 30 Teilnehmern Platz zu bieten. Die Schulklasse kommt aus Hameln und legt erst einmal eine Frühstückspause ein, bevor es mit der Theorie über das Wildtier Igel und seinen Lebensraum losgeht. Steiff-Igel Max begrüßt jede Besuchergruppe, und die Kinder begrüßen auch Max laut im Chor. Die Kinder sind manchmal schon gut vorbereitet und bringen während des Bildervortrages ihre Erlebnisse und ihr gerade erworbenes Wissen ein. Der Besuch in der Ambulanz führt an der Futterküche vorbei (die Kinder rümpfen die Nase und stellen fest, dass der Zoogeruch vom Futter und gar nicht vom Igel selbst kommt) und ist für die Kinder und das Lehrpersonal immer wieder spannend. Das Anfassen der Stacheln ist beeindruckend, die Funktion des Ringmuskels bringt viele zum Lachen – manche Igel machen ihrem Namen als „Kobolde der Nacht“ wirklich alle Ehre! Die sehr unterschiedlichen Gewichte der Igel werden (mit dazwischen gelegtem Handtuch, damit es nicht piekst) festgestellt, wir unterscheiden Alttiere und Jungtiere, Männchen und Weibchen. Das Ganze dauert gut 1 ½ bis 2 Stunden mit einem Rundgang durch den Winterschlafkeller, der erst ab dem Nikolaustag (6. Dezember) belegt wird bis zum Minischaugarten. Zum Schluss erhält die Besuchergruppe Informationsmaterial und Igel-Literatur zum Nacharbeiten.

Um 5 Uhr morgens ist im Igelzentrum schon Licht, das Reinigungspersonal beginnt den Arbeitstag sehr früh, damit zur Ankunft der ersten Besuchergruppe um 9 Uhr ein Pflegeraum komplett fertig ist. Unter den vielen Stachelpatienten sind sehr viele einzelne Sorgenkinder, die nicht selbstständig fressen, aber dringend an Gewicht zunehmen müssen. Wegen des hohen Tierbestands ist die Zeit knapp für Zwangsernährung. Wir überlisten die Tiere mit einem fetthaltigen Brei aus Avocado und Mozzarella mit zermahlenem Igeltrockenfutter. Das Fressverhalten wird protokolliert und so bleiben nur noch ein bis zwei Igel übrig, die für die Zwangsfütterung in Frage kommen, damit sie die vorgegebene Medikation überstehen und gewöhnlich nach ein paar Tagen ganz selbstständig fressen. Wir sind froh, fast im ganzen Monat November überschneidend 3 Wochen zwei Praktikantinnen zu haben. An den Wochenenden oder auch oft feiertags erscheinen unsere Ehrenamtlichen, die guten Feen, die hier und da mal putzen, Papier vorbereiten, Post eintüten, kleine Geschenke verteilen oder selbstgebackene Kekse mitbringen – ohne sie wäre vieles nicht so ordentlich und schön. Auch das Fensterputzen ist Ehrenamtssache. Alle unsere Mitarbeiterinnen haben ihre Qualitäten, die wir aus jedem „herauskitzeln“.

Seit November kommt sehr zuverlässig immer Freitag und Samstag Mister Mosa aus dem Flüchtlingsheim Hemmingen, der sich ehrenamtlich betätigen möchte. Mr. Mosa kommt aus dem Sudan, ist von Beruf Gärtner und in unserer Einrichtung zuständig für alle Kartonagen, die für die Auswilderung oder für die Überwinterung vorbereitet werden müssen. Wir verständigen uns auf Englisch. Das erste Mal auf Deutsch „Auf Wiedersehen“, und das Wort „Igel“ gelingt ihm auf Anhieb, und wir loben ihn sehr dafür. Im Frühjahr wird er sich um unsere Außenanlagen kümmern, Rasen mähen, Unkraut zupfen, Hecke schneiden … Unser Haushandwerker findet Zeit, das gespendete Eisengartentor optisch aufzubessern und an der Hauswand zu montieren. Leider sind die Temperaturen schon zu niedrig, dass der Anstrich des Kunstwerks auf das nächste Frühjahr verschoben werden muss.

Die Betreuung der Sponsoren ist wichtig

Großen Wert legen wir auf eine gute Spenderbetreuung. Jedes Jahr sind unsere Großsponsoren, die mit ihrem Beitrag sehr wesentlich dazu beigetragen haben, die Sanierungskosten zu bewältigen, zum Nachmittagskaffee und selbstgebackenem Kuchen zu Gast. Es gibt drei Räume im Haus, die nach den Großsponsoren benannt sind (Marga Hartmann Stiftung, Hilde Schmidt, Karin Achtermann). Alles, was neu ist, wird in Augenschein genommen, unsere Gästen freuen sich, als sie hören, dass die Schlussabnahme durch die Bauaufsicht inzwischen erfolgt ist, dass wir einen neuen Pflegeraum dazu bekommen haben, dass der Minischaugarten um zwei Holzpergolen vervollständigt wurde und dass auf dem Dachfirst seit April eine Storchennisthilfe thront. Während der Kaffeerunde hören die Gäste, was es aktuell an Neuigkeiten in der Station selbst gibt. Wir merken, dass unsere Gäste alle mit Herzblut dabei sind. So versorgt uns Frau Schmidt z.B. regelmäßig mit unzähligen Säcken Knüllpapier, Frau Achtermann bietet sich für die Vorbereitung von Zeitungsrollen an, das Ehepaar Sandvoss überlässt uns ein antiquarisches Igelpräparat für die Vitrine und Familie Pohl besucht unsere Einrichtung regelmäßig auch mit ihren Enkelkindern.

Am Schrank in der Futterküche befindet sich ein Zettel „Was fehlt?“, Igeltrockenfutter müssen in Bremen per Mail geordert und Katzendosenfutter mit dem Handwagen vom Futtermittelmarkt um die Ecke geholt werden. Dosenfutter wird bis zum 19. November auskalkuliert, an diesem Tag hat REWE Penny angekündigt, mit einer Dosenfutterspende von 2 Paletten zu kommen! Das wird bis zum Frühjahr halten. Es ist nicht die erste Futterspendenübergabe durch das Unternehmen, die wir mit einer Kaffee- und Kuchenrunde gerne abschließen. Deshalb haben wir die mittlerweile 5. Futterspendenübergabe zum Anlass genommen, einen gerade neu hinzugekommenen Pflegeraum nach der Firma REWE Penny zu benennen. In der heutigen nicht einfachen Zeit ist es gar nicht so selbstverständlich, dass Gewinnorientierte Betriebe auch mit einer Spende eine Tierschutzeinrichtung besuchen. Wir beteiligen uns an der von der BINGO Stiftung ins Leben gerufene „Naturschutzwoche für Kinder“ und bieten an zwei Nachmittagen je eine Führung durchs Haus und eine Stunde Winterschlafkartonbasteln an. Alle Teilnehmer kommen bei dieser Aktion wirklich ins Schwitzen und freuen sich über eine erholsame Pause mit Punsch, Apfelkuchen und Keksen. Die örtliche Zeitung kommt mitten ins Geschehen dazu und berichtet am übernächsten Tag darüber.

Ende November klingelt es um 15 Uhr, eine Igelfinderin möchte ihren gerade gefundenen Igel „abgeben“. Wir verweisen auf die Öffnungszeit von 17-19 Uhr. Ein Blick in den Karton genügt, um festzustellen, dass das Tier unter die Wärmelampe muss. Frau X darf reinkommen, sie füllt ein Protokoll aus, der Stachel-Notfall wird unterdessen schnell versorgt und eine Notfallbox vorbereitet, weil alle Schrankboxen seit Anfang November schon voll belegt sind. Es fällt das Wort „SPENDE“, und da wir einen 50 Euro Schein noch nicht wechseln konnten, beglückt uns die Igelfinderin mit zusammengesuchtem Kleingeld mit ganzen 2,58 Euro … Dieser Betrag reicht bestenfalls für die Versorgung ihres Igels für einen Tag. Dieses Jahr waren schon vor dem Nikolaustag die Stallräume mit Winterschlafigeln belegt, jetzt kommende Besuchergruppen bringen oft zum Abschluss des Besuchs einen Winterschlafigel in den Keller, um ihn für noch vier Monate in den Winterschlaf zu schicken. Mitte Dezember kommen Herr Pyka und Herr Knieling von aktion tier aus Berlin (Eigentümer der Immobilie Am Südtor 11) zu einer Gesprächsrunde und mal zum Schauen vorbei. Am Kühlschrank hängt ein „Feiertagsplan“, der den Einsatz und die Vertretung abwesender Mitarbeiterinnen an den Feiertagen klärt. Auch an Weihnachten, Silvester, Neujahr, Ostern und Pfingsten muss der Tierbestand wie gewohnt versorgt werden. Noch kurz vor Weihnachten meldet sich ein kleiner Familienbetrieb „GF Elektronik, Inhaber Gunnar Fechner“ mit einer Barspende von 500 Euro an. Das Ehepaar Gunnar und Claudia Fechner schaut sich die Einrichtung an und ist überzeugt, mit einer Spende das Richtige für die „Wunderkugel IGEL“ getan zu haben. Vor Weihnachten müssen wir nochmal mit zwei Autos los und von Madsack eine Palette Zeitungspapier und 30 Kartons holen.


Tagebuch Februar/März 2016

Ein Teil der "Mannschaft" des aktion tier Igelzentrums. Foto: © IGSI e.V.

Von Heike Philipps, Vorsitzende des IGSI e.V. | Februar/März 2016

Wir haben zum Eintritt in unseren Schaugarten ein Gartentor …

Noch bevor rund 270 Igel ab dem Nikolaustag im Jahr 2015 in den Keller und in die Ställe zum Verschlafen des Winters gekommen sind, haben wir noch ein neues Gartentor gespendet bekommen. Dieses wurde mit ein paar Dekodetails (schauen Sie mal auf die Igel) optisch aufgewertet und ist seit dem letzten Spätherbst fest montiert. Für einen Neuanstrich war es schon zu kalt, aber das soll nun im nahenden Frühjahr geschehen. Auf diesem Wege ganz vielen Dank an den Spender „Martin“ aus Ilsede, der auf unseren letzten newsletter reagiert und uns das schöne Teil gespendet und auch hergebracht hat.

…und einen weiteren Igel-Pflegeraum

Seit Herbst 2015 haben wir noch einen zusätzlichen Pflegeraum vom Nachbarhaus hinzugewonnen, dazu mussten eine Wand durchbrochen und die alte Tür mit Rahmen vorsichtig herausgelöst und am neuen Platz wieder eingebaut werden. Unsere Handwerker (Elektriker, Tischler und Heizungsmonteur) haben ihre Arbeiten so gut koordiniert, dass unsere Besuchergruppen von dieser Baumaßnahme fast nichts mitbekommen haben. Eine unserer Mitarbeiterinnen hat sich um den Farbanstrich der Wände und Decke und um den Türrahmen gekümmert, so konnten wir noch während des großen Igelansturms den Igelpflegeraum im Obergeschoss von 4 Boxenschränken entlasten und auch unseren Schulungsraum von weiteren 3 Boxenschränken befreien. Der neue Igelpflegeraum ist mit dem Quarantäneraum ein Arbeitsplatz im Haus mit Aussicht in unseren Schaugarten.

Mitte November hatte sich zur mittlerweile 5. Futterspendenübergabe das Unternehmen REWE/Penny angemeldet, um wieder zwei Paletten Katzendosenfutter für unseren Stachelpatientenbestand zu überreichen. Diese Begebenheit haben wir zum Anlass genommen, den gerade eingerichteten neuen Pflegeraum auch nach REWE-PENMY zu benennen.

Kurz vor Weihnachten erhielt unsere Einrichtung von einem Familienunternehmen GF Elektronik/Isernhagen vom Ehepaar Gunnar und Claudia Fechner eine Barspende von € 500,00 und noch viele kleinere und größere Geldspenden direkt auf unserem Spendenkonto.

Auch die Zulieferung von vorbereiteten Zeitungen, Kartons und anderen Utensilien hat so gut geklappt, dass wir viel wertvolle Zeit für deren Beschaffung eingespart haben.

Unser Mitarbeiterinnenstamm verarbeitet alles, was im Hausflur an Sachspenden abgestellt wird. Für die Pflege des kleinen Schaugartens und für die Karton- und Papierbearbeitung haben wir aus dem Flüchtlingsheim Hemmingen einen weiteren ehrenamtlichen Mitarbeiter hinzu bekommen, der uns zweimal in der Woche hilft. Die ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuung hatte den Kontakt im November 2015 hergestellt. Die Kommunikation mit unserem neuen Mitarbeiter geschieht in englischer Sprache oder mit Händen und Füßen.

Noch ist im Haus die „Ruhe vor dem Sturm“, unsere Mitarbeiterinnen stehen für die bevorstehende Frühjahrssaison aber schon in den Startlöchern.

  • Die Bauaufsicht der Stadt Laatzen hat dem Verein die Schlussabnahme aus der seinerzeit erteilten Baugenehmigung erteilt, alle unsere Spenderinnen und Spender haben einen großen Anteil daran, dass wir dieses geschafft haben!!!!
  • Seit dem 1. September 2015 waren in unserer Ambulanz über 800 Igel , noch bis November sind aufgrund der milden Witterung noch viele Tiere vor dem Winter in die Freiheit gekommen, über 270 schlummern momentan in kalten Räumen unserer Einrichtung dem Frühling entgegen
  • Mitte Februar war unsere Einrichtung Thema beim Schülerradio „leinehertz“
  • Wir haben wieder Igelpostkarten vorrätig und natürlich Informationsmaterial für alles rund um den Igel und seinen Lebensraum GARTEN
  • Auch gut genährte Igel-Türstopper und Igelbücher liegen auf dem Verkaufstresen
  • Im November haben wir uns an der von der BINGO Stiftung organisierten Naturschutzwoche für Kinder mit zwei Veranstaltungsnachmittagen beteiligt. Es galt für uns, Kinder an die Natur heranzuführen und zu vermitteln, wie man Igel retten kann, wenn sie in Not geraten. Ein Stapel Informationsmaterial und ein Igel in Plüsch zum Nacharbeiten für zu Hause gab es mit und bis zum Schluss haben alle mit Schwung über 20 Winterschlaflager gebastelt und nebenbei Kuchen und Punsch genascht. Viele unterschätzen die Kartonvorbereitung, eine gute halbe Stunde Zeit vergeht, bis ein gut isoliertes Winterschlaflager für einen einzigen Igel fertig ist.

… was wir trotz vieler Sach- und Geldspenden immer noch gebrauchen könnten:

  • Weiterhin gerne Zeitungen mit guter Papierqualität , möglichst ohne Glanzpapierprospekte (das bläht sonst unsere ohnehin schon überfüllten Papiertonnen auf)
  • gebrauchte, aber gut erhaltene und nicht eingerissene Polsterbriefumschläge in jeder Größe
  • Immer noch abgestempelte Briefmarken, die wir gesammelt weitergeben und der Igelschutz dafür etwas Geld bekommt
  • Glasierte Tonröhren oder einen Tonfuttertrog, um diese als Pflanzgefäße umzufunktionieren
  • einen Kameramenschen, der professionell unsere Arbeit über ein Igeljahr begleitet und in einem Kurzfilm „festhält“ (so eine Präsentation macht sich gut für Förderanträge)
  • und gerne jede noch so kleine Geldspende, den wir haben noch so viele Ideen, Pläne und kleine Projekte, die wir nach und nach umsetzen möchten. So soll unsere Einrichtung z.B. auch auf der Hofseite einen Anstrich bekommen, sehr gerne hätten wir einen Gartengeräteschrank und an der Eingangstüre eine Glasüberdachung, wir möchten den Wurzelbereich unseres Hausbaums entsiegeln und ein Blumenbeet anlegen, auch ist ein öffentlich zugänglicher Bücherschrank vor unserer Einrichtung noch ein kleiner Traum für die Zukunft….

Was tun die Igel jetzt?

Erfahrungsgemäß ist bis Anfang/Mitte April noch tiefste Winterschlafzeit. Winterschlafigel schlafen nicht monatelang durch. An unserem alten Standort haben in Winterschlafhäusern versteckte Temperaturfühler die Erkenntnis gebracht, dass Igel im Durchschnitt einmal pro Woche wach werden. Sie schlafen wieder ein, wenn sie merken, dass der Frühling noch nicht in Sicht ist. Dabei spielt nicht nur die Außentemperatur eine Rolle.

In menschlicher Obhut überwinterte Igel zeigen an, dass sie richtig wach sind, wenn sie 3-4 Tage hintereinander wach bleiben. Wenn dieses Wachbleiben mit den Temperaturen und den Kalenderdaten passen, dürfen die Tiere wieder das gewohnte Vollwertfutter bekommen, damit sie das verlorene Gewicht (meistens 1/3 des Einschlafgewichts) schnell wieder aufholen.

Erst wenn das Einschlafgewicht wieder erlangt, die Tiere gesund und die Natur komplett begrünt ist (die Tiere müssen ja Deckung haben!), geben Igelfreunde dem Untermieter die Freiheit wieder. Ideal ist es, noch für 1-2 Wochen die gewohnte Futterstelle am Aussetzplatz anzubieten. …suchen Sie ein ideales Geschenk für Gartenbesitzer?

Igel und andere Gartenbewohner lieben heimische Hecken und Sträucher, schenken Sie doch einfach mal ein paar Meter Wildfruchthecke, damit überraschen Sie bestimmt und liegen garantiert nicht doppelt und Sie erweisen unseren Gartenwildtieren einen großen Gefallen!

Gespannt sind wir, ob unsere Storchennisthilfe in diesem Jahr von den heimkehrenden Störchen angenommen wird. Darüber berichten wir in unserem nächsten newsletter. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen allen eine gute Zeit bis zum nächsten Lebenszeichen aus unserer Einrichtung „aktion tier Igelzentrum Niedersachsen“


Tagebuch im September/Oktober 2015

Igelkinder im aktion tier IGELZENTRUM
Zwei von vielen Igelkindern, denen im aktion tier IGELZENTRUM Niedersachsen geholfen wird. Foto: Foto: © IGSI e.V.
Wärmfalschen werden befüllt
Wärmflaschen sind wichtig im Igelzentrum: Igelbabys liegen immer in Handtüchern eingewickelt auf Wärmflaschen. Foto: Foto: © IGSI e.V.
Wiegen und Protokollieren der Igel
Das Wiegen und Protokollieren der Igelschützlinge ist täglich nötig. Foto: Foto: © IGSI e.V.
Igelboxem im aktion tier IGELZENTRUM Niedersachsen.
Igelboxem im aktion tier IGELZENTRUM Niedersachsen. Foto: Foto: © IGSI e.V.
Die tägliche Reinigung der Igelboxen gehört zum festen Bestandteil der Arbeit im aktion tier IGELZENTRUM. Foto: Foto: © IGSI e.V.
Essen ist fertig - Fütterungszeit im aktion tier IGELZENTRUM.
Essen ist fertig - Fütterungszeit im aktion tier IGELZENTRUM. Foto: Foto: © IGSI e.V.
Ein kleiner Igelschützling bekommt Futter. Foto: Foto: © IGSI e.V.
Die Naturpädagogin im aktion tier IGELZENTRUM macht Termine: Präventionsarbeit ist auch im Igelschutz sehr wichtig. Foto: © IGSI e.V.
 
 

Von Heike Philipps, Dezember 2015. Seit September 2013 gibt es diese Einrichtung in Laatzen, im Süden von Hannover. Das Haus verfügt über eine Winterschlafstation (Keller und ehemalige Stallräume), über eine Warmstation mit 132 Boxen und 24 Notfallmobilboxen, einen Schulungsraum – aufgebaut wie eine kleine Ausstellung mit 28 Sitzgelegenheiten (eine Schulklasse mit Begleitpersonal kommt recht gut unter) und einen kleinen Schaugarten mit vielen Beispielen zum Nachmachen im eigenen Garten. Am Haus selbst haben wir im Frühjahr viele Untermieter, überall hängen Nistkästen für Schwalben, Mauersegler, Fledermaus & Co. Auf dem Dach befindet sich eine Storchennisthilfe.

Ein Standbein der Arbeit dieser Einrichtung ist die Versorgung und stationäre Aufnahme von in Not geratenen Igeln, das zweite Standbein der Arbeit ist die pädagogische Bildungsarbeit mit der Intention, das Wissen rund um den Igel und seinen Lebensraum zu mehren. Der Gesamt-Betrieb funktioniert wie in einer Firma – es gibt sozusagen 30 Mitarbeiterinnen (eine Hälfte ehrenamtlich, die andere Hälfte aus bezahlten Kräften), die sich um alle „Betriebsabläufe“ kümmern. Alle Tätigkeiten sind 1000fach erprobt, routiniert und so rationalisiert, dass nichts Unnützes getan werden muss, sie sind ein Ergebnis aus 30 Jahren Erfahrung – diese vermischt mit dem Wissen aus dem Veterinärstudium unserer Vertragstierärztin ergibt bei bester Zusammenarbeit ein hohes Maß an Qualität. Die praktische Arbeit selbst ist in diesem Betrieb nicht einfach, weil sie sich, saisonal bedingt, in bestimmten Monaten komprimiert ergibt. Das bedeutet, dass insbesondere in den Monaten September bis Januar ganz viele Arbeitsstunden geleistet werden, in der fortschreitenden Winterschlafzeit kehrt etwas Ruhe ein, und die Mitarbeiterinnen zehren von den Vorschuss-Arbeitsstunden. Nach dem Aufwachen im April/Mai und bis zur Auswilderung vergehen wieder 2-3 sehr arbeitsreiche Monate.

Anfang September 2015 kommen die ersten „handaufgezogenen“ Stachelkugeln ins Haus. Unsere Igelbabyaufzuchtexpertinnen haben im August ganze Arbeit geleistet und dieses Jahr mehr als 45 mutterlos aufgefundene Igelbabys alle 2 Stunden (auch nachts) versorgt, ständig gewärmt und nach 1-3 Wochen zum Selbstfressen an ihre Teller geführt. Als Igelmutterersatzmilch funktioniert sehr gut die Hundewelpenmilchsorte der Firma „Royal Canin“, später wird diese angereichert mit püriertem Katzenfeuchtfutter, und schließlich folgt die Umgewöhnung in pures Katzenfeuchtfutter mit gemahlenem Igeltrockenfutter. Zu den Kleinen gesellen sich sehr bald, vermutlich durch die Aufzucht ihrer Igelkinder, viele Igelweibchen, total abgemagerte, schwache und auch sehr viele verletzte Alt- und Jungtiere.

Morgens um 9.30 Uhr kommt die erste Besuchergruppe, eine Schulklasse, eine Kitagruppe hat sich zu 11 Uhr angemeldet, alles muss zügig gehen, ohne hektisch zu wirken. Die meisten Besuchergruppen haben eine längere Anfahrt hinter sich und dürfen erst einmal frühstücken. Max, unser großer Plüschigel, begrüßt die Kinder und erzählt ihnen, wo sich die Toiletten befinden und wo der Notausgang im Brandfall ist. Im Besuchergruppenablauf sind ein Bildervortrag, der Besuch der Winterschlafstation und des Schaugartens und natürlich ein Besuch in der Station selbst. Stabile Tiere können gezeigt werden, die Teilnehmer können nun das Geschlecht und Alttiere von Jungtieren unterscheiden. Manche sind mutig und nehmen einen Igel (mit Handtuch) in die Hand.

Bevor der erste Besuch unser Haus betritt, muss alles sauber sein. Manchmal fangen unsere Mitarbeiterinnen schon um 5 Uhr in der Früh an, damit das gewährleistet ist. Auf dem Hofgelände stehen 3 Müllcontainer, diese müssen einmal wöchentlich zur Leerung rausgefahren werden, zusätzlich müssen wir momentan 30 weitere Papiermüllsäcke danebenstellen, die nicht mehr in die Tonnen gepasst haben. Grundsätzlich springt meistens die Leitung des Hauses (mit 62 Jahren, EHRENamtlich) in die Tonnen, um noch 1-2 Säcke mehr darin verstauen zu können. Müllentsorgung ist teuer, so haben wir wieder ein paar Euro gespart.

Zwischendurch klingelt es, jemand bringt einen „vermeintlichen“ Notfall, wir verweisen auf die täglichen Öffnungszeiten, nachdem sie einen Blick in den Karton geworfen haben – die Igelfinder wollen nachmittags wiederkommen. Bald klingelt es wieder, die bestellte Trockenfutterlieferung kommt. 10 x 25 kg Säcke werden eingelagert. Es regnet, alles muss schnell rein, und der Lkw-Fahrer möchte die Euro- Palette wieder mitnehmen. Er hilft mit beim Abladen. Nachdem die 2. Besuchergruppe das Haus verlassen hat, muss der Besen aus der Ecke geholt werden, der Papierkorb wird geleert, die Toilette geputzt, das Papier erneuert, das Handtuch im Besucher WC ausgewechselt, Fenster werden zum Lüften geöffnet.

Es ist Dienstag, unsere Vertragstierärztin kommt mit ihrer Hilfe, um den Tierbestand anzuschauen und die Medikation zu verordnen. Die Medikation dauert momentan bei voller Belegung bis zu 2 ½ Stunden, jeden Tag muss anhand des Protokolls überprüft werden, ob man richtig liegt und bei Neuaufnahmen entscheiden, welches Medikament zuerst gegeben wird. Dieses bedarf einiger Erfahrung. Erschwerend bei der Igelschutzarbeit kommt hinzu, dass das Thema IGEL im Veterinärmedizinstudium nicht vorkommt. Oft verweisen schon viele Tierarztpraxen auf unsere Einrichtung, aber auch wir empfehlen durchaus bekannte „igelkundige“ Tierarztpraxen, wenn Ratsuchende darum bitten und nicht zu uns kommen können.

Im Keller laufen Waschmaschine und Trockner rund um die Uhr, Igelbabys liegen immer auf Wärmflaschen in Handtüchern eingewickelt. Diese werden täglich gewaschen. Im September sind über 30 Wärmflaschen ständig im Einsatz.

Am ersten Septembersamstag haben wir einen Außenstand in der aktion tier-Wildtierstation Sachsenhagen, mit Glücksrad und Tombola (es gibt Plüschigel als Gewinne), und mit dem Igelwürfelspiel präsentieren wir uns auf dem schönen Außengelände und haben auch einigermaßen gutes Wetter. Alles muss morgens zusammengepackt und transportiert werden, abends wieder zurück. Großes Wegräumen und vor allem Geld zählen – es hat die Spendenkasse gut aufgebessert. Fünf bis acht solcher Außenstände pro Jahr sind immer eingeplant, allein im September sind es drei. Die Standbetreiber sind dieselben, die auch die praktische Arbeit in unserer Einrichtung machen. Manche sind sehr flexibel und überall einsetzbar. Alle 3-4 Wochen muss der kleine Schaugarten in Ordnung gebracht werden, Unkraut zupfen, Rasen mähen, 2 x im Jahr Hecke schneiden, Blumen pflanzen und gießen. Nachmittags kommt jemand und bringt ganz viel Zeitungspapier. Es wird gleich in den Keller verbracht, weil im Flur nichts Brennbares stehen darf. Abends, während der Öffnungszeit kommt eine junge Frau mit einem Polo und bringt 45 Fotokopierpapierkartons – wir staunen, dass sie gar nicht aufhört, Kartons hereinzutragen. Auch diese kommen in den Keller. Während der Öffnungszeit ruft ein Journalist an, er möchte über Igel einen Bericht schreiben – wir machen einen Fototermin aus, die Fragen zu beantworten, dauert länger als 1 Stunde. Abends beim Abfragen des E-Mail-Postfachs ergibt sich ein TV-Drehtermin. Es wird abgesprochen, was gedreht und gezeigt werden soll und was nicht. Es ist nicht einfach, und der Drehtermin selber dauert 6 Stunden, der Filmbeitrag selbst dauert nicht einmal 5 Minuten! Wir möchten, dass das Spendenkonto zum Schluss eingeblendet wird.

Ende September werden die Kartons wieder aus dem Keller geholt, eine Abordnung einer Spenderfirma hat sich zu einem Arbeitseinsatz im Haus angekündigt (die Presse ist auch eingeladen), tatsächlich findet der Einsatz mit 10 Mitarbeitern statt. Alles kommt fein vorbereitet und kontrolliert in den Keller. Fast zeitgleich hat sich die Bauaufsicht mit der Schlussabnahme angekündigt. Alles wird kontrolliert, damit nichts beanstandet werden kann. Anfang Oktober haben wir im Haus unsere Großsponsoren zu Kaffee und selbst gebackenem Kuchen zu Gast. Die Gäste erfahren, was sich Neues getan hat, sie sind zufrieden mit allem, was sie in Augenschein nehmen. Wir verabreden uns für nächstes Jahr wieder. Auch Sponsoren und Spenderbetreuung sind wichtig.

Seit dem 7.10. beschränken wir uns kurzfristig darauf, nur Notfälle anzunehmen. Es sind über 230 Tiere im Haus, seit dem 1. September 2015 sind hier 347 Igel vorgestellt, versorgt oder stationär aufgenommen worden. Seit dem 1.9.2015 war bis zum 12.10.2015 die laufende Nummer 369 vergeben worden (jeder Patient erhält eine Laufnummer). Sehr viele Igel kamen aus weit entfernten Städten (Mannheim, Dortmund, Oschersleben). Die Telefonanrufe werden im Laufe des Oktobers immer mehr, das Wetter ändert sich, der Anrufbeantwortertext muss jahreszeitgerecht neu besprochen werden, der Kampf mit der Technik, und vor allem die Abdeckung der Öffnungszeiten kosten wirklich Nerven! Manchmal kommt erst nach Ende der Öffnungszeit noch ein Patient, der untergebracht und versorgt werden muss. Der Magen knurrt, zum Essen kochen ist keine Zeit. Dieser Zustand hält an bis Weihnachten/Sylvester, wir sehnen die Winterschlafzeit herbei. Bis dahin muss alles Papier ruhen, es dreht sich alles um Igel (auch im Schlaf verfolgt einen manches Igelschicksal).

In diesem Jahr haben wir nach vielen kalten Septembernächten sehr viele komplette Igelwürfe gebracht bekommen. Die Igelmütter müssen ihre Kleinen wohl allerorts sitzengelassen haben. Solch eine Situation hatten wir in den letzten Jahren im September nicht. An einem Tag sind in nur 30 Minuten 21 Igel aufgenommen worden. Jeder Igel erhält ein Protokoll (sozusagen die Krankenakte), hier sind Finderdaten auch dokumentiert, so dass alle Fundigel auch wieder an die Finder zurück können. Jedoch hat sich auch hier vieles geändert, sehr viele Igel können nicht an ihren Fundort zurück und müssen sozusagen evakuiert werden. Gute und vor allem ausreichend große Lebensräume für Igel gibt es nicht überall. Immerhin beansprucht EIN Igel eine Grünfläche von 2.000 qm, um satt zu werden. Denn alles Lebendfutter (Insekten, Schnecken, Würmer), was er zu sich nimmt, muss neu produziert werden. Weil die Lebensräume nicht mehr ausreichend Nahrung bieten, hungern fast alle Igel, die Lebenserwartung von 10 Jahren ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten erheblich zurückgegangen. Die meisten Igel erleben das 1. Lebensjahr nicht. Es ist deshalb umso wichtiger, dass die Menschen eine unordentliche Ecke im Garten dulden, die Blätter liegenlassen, damit Igel ein Dach über dem Kopf haben, viele Hecken und Sträucher pflanzen, ihre Zäune öffnen, kein Gift verwenden, täglich beschickte Wasserstellen anbieten, bei Nacht und Einbruch der Dunkelheit vorsichtig fahren…

Pro Jahr werden über 1.000 in Not geratene Igel in unserer Einrichtung vorgestellt. Der Betrieb benötigt für die Patienten pro Jahr über 1 t Igeltrockenfutter und 2,5 t Katzen- oder Hundedosenfutter, unfassbar viele Küchenpapierrollen, Spül- und Waschmittel. Mehr als 4 t Zeitungspapier und mehr als 1.000 Fotokopierpapierkartons, unzählige Rollen Papierklebeband sind nötig, um die Boxen täglich neu auszulegen und um unsere Patienten, die wieder zurück in „ihren“ Garten dürfen, den Findern in einem ausbruchsicheren Transportbehälter wieder mitzugeben.