Ein Gemeinschaftsprojekt von aktion tier und dem Verein "Igelschutzinitiative e.V."

Platz für UntermieterDas Storchennisthilfe-Projekt

Storchennest auf dem Dach des aktion tier Igelzentrums
Seit März 2015 ist auf dem Dach des aktion tier Igelzentrums in Zusammenarbeit mit vielen Unterstützern auch ein Storchennest installiert. Foto: © IGSI e.V.

Von Heike Phillips, Juni 2015. aktion tier – menschen für tiere übernimmt den Löwenanteil der Kosten. Fast zwei Jahre nach der Eröffnung der Einrichtung „aktion tier IGELZENTRUM Niedersachsen“ kommt das zur Einweihung von der Tierschutz-Union gespendete, sehr gut erhaltene Wagenrad als Komfort- Wohnung ausgestattet zum Einsatz. Den Anstoß, das Storchennisthilfe- Projekt wieder in Gang zu bringen, gab eine kleine Anschubfinanzierung zum Weihnachtsfest 2014 von der Tierfreundin Iris Kosbab, die auch ehrenamtlich an den Wochenenden in der Ambulanz mit hilft, als „gute Fee“ macht sie all das, was die Crew mangels Zeit nicht schafft. Ihr persönlich sei für ihre Idee ausdrücklich gedankt!

Nachdem in alle Richtungen recherchiert wurde, wie eine Storchennistgelegenheit optimal auszusehen hat, schlug auch die Zimmermannsfirma „Dach und Fachwerk“ ein, den außergewöhnlichen Auftrag anzunehmen. Mit involviert war eine Schlosserei, die nach Anweisung 20 cm lange Eisenstäbe an den Eisenrand und vier Bandeisen zur Stabilisierung des Wagenrad schweißte. Die Radnabe wurde herausgenommen und das somit entstandene Loch diente der Aufnahme einer ausreichend statisch berechneten Eisenstange, die das Wagenrad samt Bewohner in luftiger Höhe (nämlich 1 m über dem First!) auch bei stärkerem Sturm halten muss. Ein Storchenelternpaar wiegt gut 60-70 kg – kommen nach 33 Tagen Brutzeit 2-6 Storchenkinder hinzu, summiert sich das Ganze manchmal auf mehrere Hundert Kilogramm! Für jedes Storchenküken müssen die Eltern 1 kg Nahrung suchen. Im Februar erst hatte die örtliche Bauaufsicht, die wegen der Überprüfung von Brandschutzauflagen im Hause war, die laufenden Storchennest- Vorbereitungen mitbekommen. Entgegen einer Aussage von vor zwei Jahren wurde nun ein Bauantrag für diese Storchennisthilfe verlangt! Irritiert, aber doch willig zeigte sich der Meister der Zimmermannsfirma und fertigte das nötige Papier in Windeseile.

Während die Bauaufsicht längere Zeit brauchte, den Storchennest- Bau-Antrag positiv zu bescheiden, hatte die Naturschutzbehörde derselben Verwaltung innerhalb von drei Tagen das Projekt als außerordentlich sinnvoll und begrüßenswert bestätigt und unser Vorhaben der Biodiversität zugeordnet. Eine exzellente Beratung und Bauempfehlung erhielten wir von der „Storchenhilfe Wesermarsch“. Den Kontakt zu Udo Hilfers aus dieser Hilfestation stellte aktion tier her. (Schauen Sie mal auf deren Internetseit www.storchenstation.de)

Das aktion tier IGELZENTRUM Niedersachsen verschreibt sich zwar der Pflege und Hilfe von in Not geratenen Igeln, hat sich nun aber auch vorgenommen, für die Pflege der gerade neu geschaffenen Nisthilfe zu sorgen – auch wenn es in fast 10 m Höhe nicht ganz einfach ist. So gehören zu den Nachsorgearbeiten das Abtragen von zu viel wiegendem Nistmaterial, das Aussortieren von Plastiktüten und Schnüren sowie das richtige Drainieren der Nestmitte, damit der Storchennachwuchs und das Storchenweibchen während der Brutzeit keinen Schaden durch Wasserpfützen nehmen.

Die Einrichtung „aktion tier Igelzentrum Niedersachsen“ befindet sich direkt an der Leinemasch, einem geeigneten Wiesen und Wasser-Lebensraum von Storch, Frosch & Co. Die sich regelmäßig ändernden, aber am Telefon angesagten aktuellen Öffnungszeiten orientieren sich derzeit noch saisonal bedingt an den Pflegeigel- Belegungen. Während der Winterschlafzeit, die bis Mitte April andauert, sind weniger Besucher im Haus als es in den Herbstmonaten der Fall ist. Das könnte anders werden, wenn genau in dieser Zeit Meister Adebar als Frühlingsbote die 1.500,00 EUR teure Nistgelegenheit annimmt.

In der Laatzener Leinemasch sieht man Störche auch auf den Feldern, wie sie Egge und Pflug folgen. Sie ernten, was von den landwirtschaftlichen Maschinen aufgescheucht wird. Im Herbst, wenn die Tage kürzer und kälter werden, finden die Störche nicht mehr genug zu fressen. Dann machen sie sich auf die weite Reise nach Afrika: Weißstörche sind Zugvögel. Bis weit ins Mittelalter dachte man, sie verschlafen den Winter im Wasser. Heute sind ihre Flugrouten ziemlich genau erforscht und bekannt.