Ein Gemeinschaftsprojekt von aktion tier und dem Verein "Igelschutzinitiative e.V."

Igel gefunden - Was tun?

Verwaister Igelsäugling im Igelzentrum Niedersachsen
Jedes Jahr werden im aktion tier Igelzentrum ca. 1000 hilfebedürftige Igel wie dieser verwaiste Igelsäugling versorgt. Foto: © IGSI e.V.

Gerade im Herbst fragen uns häufig Menschen, ob es wieder Zeit wäre, die Igel einzusammeln. NEIN – sammeln Sie Pilze und Beeren, aber bitte nicht wahllos Igel! Denn die wenigen Auffangstationen sind restlos überfüllt, und beileibe nicht jedes Stacheltier braucht menschlichen Beistand.

Das Naturschutzgesetz erlaubt nur die Aufnahme und Pflege kranker, verletzter und hilfloser Igel. Und auch diese Tiere müssen nach der Genesung unverzüglich wieder in die Freiheit entlassen werden. Nimmt man einen in Not geratenen Igel in seine Obhut, reichen gute Absichten nicht aus. Hier ist Fachwissen gefragt. Grundsätzlich gehören kranke und verletzte Igel zuerst einmal zum fachkundigen Tierarzt. Die anschließende Pflege und Unterbringung kann eventuell vom Finder übernommen werden, wenn dieser sich vorher ausreichend informiert hat. 

Tatsächlich hilfsbedürftig sind:

  • Verletzte und offensichtlich kranke Igel
  • Igelsäuglinge mit geschlossenen Augen, die sich tagsüber außerhalb des Nestes befinden
  • Untergewichtige Igel (Mindestgewicht Anfang November: Jungigel 500 g, Alttiere ca. 1.000 g)
  • Alle Igel, die bei Dauerfrost und geschlossener Schneedecke draußen herumlaufen

Tipp

Findet man im November, wenn es noch nicht schneit und friert, untergewichtige Jungigel, so kann man diesen relativ einfach helfen, ohne sie gleich mit ins Haus zu nehmen. Damit die kleinen Stacheltiere den bevorstehenden, fast 6 Monate dauernden Winterschlaf ohne Nahrung und Wasser einigermaßen schadlos überstehen, sollte man im Garten einen kleinen Futterplatz einrichten und dort täglich ein Gemisch aus Igeltrockenfutter und Katzendosenfutter anbieten. An dieser Futterstelle kann sich der kleine Igel frei in seiner vertrauten Umgebung die fehlenden Gramme anfressen und dann in seinem Unterschlupf in Winterschlaf gehen.

Sie haben einen Igel gefunden, der sich Ihrer Meinung nach unnatürlich verhält oder gar verletzt ist. Was ist nun zu tun?

  • Prüfen Sie zunächst, ob der Igel wirklich hilfsbeürftig ist. 
  • Kontaktieren Sie das aktion tier Igelzentrum, einen anderen Igelverein in Ihrer Nähe oder den diensthabenden Tierarzt: Vor allem verletzte und kranke Igel gehören in fachkundige Hände.
  • Bitte versuchen Sie auf keinen Fall, Igelsäuglinge selbst zu Füttern. Ihre Aufzucht gelingt nur mit speziellen Präparaten.
  • Während Sie sich Rat einholen, stellen Sie den Igel bitte warm, sofern Sie eine Raumtemperatur von über 20 bis maximal 23 Grad gewährleisten können (andernfalls: Igel besser draußen lassen). Ebenso wie der Mensch, brauchen kranke Igel Wärme. Besonders schwache oder kleine Tiere können Sie auch vorsichtig in ein Handtuch einwickeln und auf eine Wärmflsche legen.

Professionelle Igelhilfe in Deutschland

Spätestens, wenn man einmal einen verletzten oder kranken Igel aufgefunden hat, ist guter Rat gefragt. Wer hilft? Wo kann man hin mit dem Tier? - In vielen Städten gibt es mittlerweile Igel-Initiativen, die unter Umständen auch verletzte Tiere aufnehmen. Diese können leider bei Weitem nicht allen Anfragen und Aufnahmegesuchen gerecht werden; viele Igelstationen werden ehrenamtlich und ausschließlich mit Spendengeldern betrieben. Bitte haben Sie dafür Verständnis. Auch das aktion tier Igelzentrum gerät bezüglich Notaufnahmen immer wieder an seine Kapazitätsgrenzen!