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Einen Igel pflegen

Igel stehen in Deutschland unter Naturschutz. Es ist gesetzlich verboten, sie der Natur zu entnehmen, außer wenn sie hilfsbedürftig sind. In diesem Falle muss es das oberste Ziel sein, dem Igel bestmöglich zu helfen und ihn so bald wie möglich wieder in die Natur zu entlassen.


Karolin Schütte, Tierärztin des aktion tier Igelzentrums
Das Naturschutzgesetz erlaubt nur die Aufnahme und Pflege kranker, verletzter und hilfloser Igel. Diese Tiere müssen nach der Genesung unverzüglich wieder in die Freiheit entlassen werden.

Die Behandlung verletzter oder sehr schwacher Igel sowie die Aufzucht von Igelsäuglingen gehört sofort in igelfachkundige Hände. Sollten Sie in Rücksprache mit einer Igelstation oder einem fachkundigen Tierarzt einen kranken Igel Zuhause pflegen, so haben wir hier einige Tipps für Sie zusammengestellt.

Unterbringung

Der Igel ist ein nachtaktives Tier, das tagsüber in einem Versteck schläft. Er muss also an einem ruhigen Ort untergebracht werden. Bei der häuslichen Unterbringung muss ihm zusätzlich zu einer möglichst großen Pappkiste oder Plastikbox (äußerstes Minimum: 60 cm x 80 cm, Höhe mindestens 50 cm, sonst klettert der Igel heraus) eine kleine Pappkiste (ca. 20 cm x 30 cm Grundfläche) mit ausgeschnittenem Eingang als Schlafhaus zur Verfügung gestellt werden. Als Bodenbelag nimmt man in beiden Kisten vierfach gelegte Zeitung, das Schlafhaus wird zusätzlich mit Toilettenpapier oder geknülltem Zeitungspapier gefüllt. Bitte kein feuchtes Laub (erneute Parasitenkonfrontation) oder Heu (Schimmelbildung, unhygienisches Festsetzen zwischen den Stacheln) verwenden!

Tägliche Pflege

Die Igelunterbringung muss täglich gereinigt werden. Das Zeitungspapier wird gewechselt und die Wanne wird mit heißem Wasser und nur milden Reinigungsmittel gesäubert. Pappkartons müssen gegebenenfalls ausgewechselt werden. Wasser und Futter sind täglich zu erneuern. Besonders wichtig sind das tägliche Wiegen des Igels und ein kurzer Gesundheitscheck. Gewicht, Futteraufnahme und Veränderungen im Kotabsatz oder sonstige Auffälligkeiten sollten zudem dokumentiert werden.

Ein Igel muss fressen – tut er das nicht, suchen Sie bitte umgehend eine Igelstation auf.

Futter

Der Igel ist ein Insektenfresser (Laufkäfer, Würmer, Schnecken, Asseln). Dieses Nahrungsspektrum ist in Gefangenschaft schwierig zu ersetzen. Deshalb wird der Igel in menschlicher Obhut mit Katzendosenfutter und Igeltrockenfutter gefüttert, so erhält er alle wichtigen Nährstoffe. Am Aufnahmetag oder bei Inappetenz kann man ihm auch Rührei ohne Gewürze anbieten. Keinesfalls sollte Obst, Gemüse und Milch verfüttert werden, da der Igel diese Futtermittel nicht verträgt und nicht verwerten kann. Ein Igel muss fressen – tut er das nicht, suchen Sie bitte umgehend eine Igelstation auf.

Krankheit

Sollte der Igel krank wirken oder eine Verletzung haben, ist umgehend eine Igelstation oder eine fachkundige Tierarztpraxis aufzusuchen. Igel sind in der Behandlung nicht mit Hund und Katze gleich zu setzen, und das Thema Igel bzw. Wildtier wird im Tiermedizinstudium kaum gelehrt. Es kann sich also nicht jeder Tierarzt, jede Tierärztin mit der Thematik auskennen, weshalb dies immer erfragt werden muss. Eine Behandlung gegen Ektoparasiten ist in der Regel immer notwendig. Mit Absprache einer fachkundigen Igelstation oder Tierarztpraxis können auch freiverkäufliche Mittel verwendet werden. Es ist allerdings anzuraten jeden von Privatpersonen gefundenen Igel direkt bei einer fachkundigen Stelle vorzustellen, um sicher zu gehen, dass es dem Tier soweit gut geht und es keine medizinische Hilfe braucht sowie um die Behandlung gegen Ektoparasiten (insbesondere Flöhe) vorzunehmen.

Winterschlaf

In der Natur gehen die Igel im Spätherbst in Winterschlaf. Dieser dauert meist bis Ende April. Ein Igel, der vor Wintereinbruch nicht mehr ausgewildert werden kann, muss nach seiner Genesung und mit ausreichendem Gewicht an einem kalten Ort in einer geeigneten Winterschlaf-Box ebenfalls einen echten Winterschlaf machen können, damit sein Biorhythmus nicht aus dem Takt gerät. Bei Jungigeln ist das mit einem Gewicht von 600g möglich, erwachsene Igel müssen deutlich mehr wiegen. Wenn Sie Informationen zum Winterschlaf brauchen melden Sie sich bitte rechtzeitig bei einer fachkundigen Anlaufstelle, damit der Igel nicht unnötig lange wach gehalten wird und dabei immer weiter zunimmt. Zu gut genährte Jungigel, ab ca. 700g je nach Körperbau, können Probleme mit den Gelenken bekommen und sich teilweise nicht mehr richtig einrollen.