Ein Gemeinschaftsprojekt von aktion tier und dem Verein "Igelschutzinitiative e.V."

Igel – Kobolde der Nacht leben gefährlich

Igel sind nützliche Tiere in unserem Garten. Foto: Stemya / CC0 1.0 Universell CC0 1.0

Von Heike Philipps, Juni 2016. Igel leben seit Jahrmillionen Jahren auf unserer Erde. Ihre ursprünglichen Lebensräume waren in Feld und Flur zu finden. Der massive Eingriff in die Natur durch den Menschen, unverhältnismäßig gründliche „Flurbereinigungen“ und nicht zuletzt immer größer werdende landwirtschaftliche Maschinen und Agrarflächen, die heute kaum noch mit Knicks und Hecken versehen sind, haben den Umzug des Wildtiers Igel als Kulturfolger in die Nähe der Menschen herbeigeführt.

sind Igel quasi direkt vor unserer Haustür, in unseren Gärten, auf Hinterhöfen und oft auch mitten in der Stadt anzutreffen. Das für ausreichend Nahrung und Wohnraum erforderliche Habitat (2.000 qm pro einem Igel) ist kaum noch vorhanden, Igel sind sehr oft untergewichtig und somit auch in sehr schlechtem Allgemeinzustand. Die zusätzlichen Gefahren, die in menschlicher Nähe lauern, lassen ihre Lebenserwartung von normalerweise 10 Jahren auf durchaus auf 3-4 Jahre sinken. Igel sind nützliche Tiere in unserem Garten, und was dem Igel nützt, verbessert zugleich die Lebensbedingungen für andere Tiere und Pflanzen.

Helfen Sie mit, Gefahren zu minimieren:

  • Lassen Sie keine Müll- und Wertstoffsäcke offen herumstehen, Igel klettern hinein und landen somit unbemerkt auf der Mülldeponie. Relativ leichte Wertstoffsäcke am Zaun „aufhängen“!
  • Garagen- und Gartenhaustüren nicht offen stehen lassen, oft werden Tiere unbemerkt eingesperrt und verhungern, wenn z.B. wegen Urlaubsabwesenheit sich die Türe nicht bald wieder öffnet!
  • „Öffnen“ Sie Ihren Garten, Igel bleiben oft beim Versuch, in Nachbars Garten zu gelangen, im Maschendrahtzaun hängen!
  • Vorsicht beim Mähen – dieses sollte unter Büschen und Sträuchern am besten ganz unterbleiben oder von Hand geschehen, hier verschlafen unsere heimischen Gartentiere oft den Tag.
  • Decken Sie Kellerschächte, Sandkästen und evtl. Baugruben ab!
  • Verwenden Sie kein Gift im Garten, auch Schneckenkorn und Rattengift schaden nicht nur Igeln, sondern auch andere Gartenbewohnern!
  • Brennen Sie keine Reisighaufen ab, ohne vorheriges vorsichtiges Umsetzen! Das gilt insbesondere auch für vielerorts übliche Brauchtums- und Osterfeuer.
  • Igel sind bei beginnender Dunkelheit, um Mitternacht und im Morgengrauen unterwegs, bitte seien Sie vorsichtig, wenn Sie in dieser Zeit mit dem Auto unterwegs sind. Igel sind auf der Straße durchaus berechenbar.
  • Stellen Sie keine Mause- oder Rattenfallen auf (Alternative: Lebendfalle), Schlagfallen – wenn Sie unbedingt sein müssen – auf Bretterstapel oder auf den Dachboden stellen.
  • Keine Beeren- oder Vogelnetze am Boden liegenlassen!
  • Vorsicht beim Umsetzen von Kompost! Nicht unbedacht mit der Forke hineinstechen!
  • Besonders im Sommer und Frühherbst nicht in gutgemeinter Absicht Igel umsetzen – Jungigel brauchen bis Ende September/ Anfang Oktober noch die Muttertiere.

Igel stehen ganzjährig unter Natur- und Tierschutz! Sie dürfen grundsätzlich nicht der Natur entnommen oder im Haus gehalten werden. Im Falle der Hilfsbedürftigkeit erlaubt jedoch das Naturschutzgesetz die Aufnahme und vorübergehende Betreuung. Sobald der Igel wieder selbstständig überlebensfähig ist, muss er wieder ausgesetzt werden.

So helfen Sie, den Lebensraum für Igel zu verbessern und Wohnungsnot zu lindern

  • Igel lieben unordentliche Ecken, bestimmt finden Sie eine Ecke in Ihrem Garten, die ganzjährig unaufgeräumt bleiben darf, Reisigoder Holzhaufen sind durchaus lebendig und kosten nichts.
  • Regelmäßig frisch beschickte Wasserstellen (Frühjahr, Sommer und Herbst). Legen Sie flache Steine in die Mitte, auch Insekten trinken Wasser, ein Blatt kann ein Rettungsanker sein!
  • Gern wird auch eine kontrolliert betreute und vor Regen geschützte Futterstelle nach dem Winterschlaf im Frühjahr und vor dem Winterschlaf im Spätherbst angenommen (ideales Vollwert-Futter für Igel ist eine Mischung aus Igeltrockenfutter vermischt mit Katzendosenfutter).
  • Bieten Sie Ihren Gartenigeln Unterschlupfmöglichkeiten an, so kann ein ausgedienter Einkaufskorb ohne Henkel auf den Kopf gestellt und mit Stroh gefüllt richtig spannend werden!
  • Es gibt im Handel zahlreiche Nistmöglichkeiten aus verschiedenen Materialien – solche Dinge sind manchmal ausgefallene Geschenke für Gartenbesitzer! Vergessen Sie die Vogelwelt nicht, auch Spatzen und Meisen haben Wohnungsnot!
  • Verschenken Sie doch mal ein paar Meter heimische Wildfruchthecke, oder gönnen Sie Ihrem Garten eine solche. Ein lebendiger Zaun ist einem festen Bauwerk immer vorzuziehen.
  • Seien Sie mutig, und machen Sie aus einer Rasenfläche eine Wildblumenwiese, beginnen Sie eine solch spektakuläre Aktion vielleicht mit einer Fläche in der Form eines Kreises oder einer Raute, die Sie nicht regelmäßig mähen. Erfreuen Sie sich an den bunten Farben, die auch Schmetterlinge und andere Insekten anlocken.
  • Legen Sie Steinhaufen oder besser noch eine Trockenmauer oder eine Kräuterspirale an, hier lassen sich wunderbar sichere Igelverstecke „integrieren“.
  • Insektenhotels und Wildbienenhäuser bereichern einen noch so kleinen Garten enorm.
  • Begrünen Sie das Dach Ihrer Gartenlaube oder das Dach vom Vogelhaus!
  • Wenn Sie Baumbestand im Garten und damit jährlich Schnittgut haben, legen Sie eine Benjeshecke an. Eine solche sieht im Garten durchaus ordentlich aus, wenn sie an den Enden auf gleiche Länge geschnitten und mit 4 oder 6 Pfosten gehalten wird.