Ein Gemeinschaftsprojekt von aktion tier und dem Verein "Igelschutzinitiative e.V."

Wunderkugel aus der UrzeitMit dem Igel durchs Jahr

Igelkinder im Garten
Fundstelle von 5 Igelkindern zwischen 71g und 77g, die in der Sonne nach Wärme suchten. Foto: © IGSI e.V.

Das Naturschutzgesetz, unter dem Igel stehen, erlaubt im Notfall die häusliche Aufnahme und Pflege der Stacheltiere. Igelfinder müssen sich kundig machen, wie ein Igel richtig zu versorgen ist. Eine Tierarztpraxis ist nicht immer gleich die richtige Anlaufstelle, weil das Thema IGEL nur am Rande des Veterinärmedizinstudiums behandelt wird. Auf keinen Fall sollte man einen gerade gefundenen Igel sofort entwurmen, bestenfalls Aufbaumittel injizieren lassen, eine Flohbehandlung mit Augenmaß anwenden (keine Spot-on-Präparate für Igel!). Gut durchgewärmte Igel fressen normalerweise selbstständig, man muss sie nicht immer mit einer Zwangsernährung traktieren. Wir haben für Sie die Igeluhr erklärt, mit allen jahreszeitlichen Besonderheiten. Gerade der jetzt bevorstehende Herbst ist für die Igel eine kritische Zeit.

Januar – Februar – März

Winterschlafzeit – ein Winterschlafnest ist recht aufwendig gebaut, wenn genügend Nistmaterial vorhanden ist. Nicht selten haben in unseren aufgeräumten Gärten und Grünanlagen Winterschlafigel nur einen Tannenzweig als Abdeckung. 5-6 Monate müssen Igel während des Winterschlafs ohne Futter und Wasserangebot auskommen. Zum Speiseplan gehören Käfer, Würmer, Schnecken, Spinnen, oft aber auch Abfälle. Weil ihre Lebensräume nicht mehr ausreichend Nahrung bereit halten, gehen die Igel meist hungrig in den Winterschlaf. Wenn das dünne Fettpolster aufgezehrt ist, wachen die Tiere nicht wieder auf oder sterben kurz nach dem Erwachen.

  • Erste Frühjahrssonnenstrahlen können schon im Februar einen Igel wecken, wenn das Nest keine ausreichende Dichte hat, andererseits können auch Hunger oder Krankheit Gründe dafür sein, dass sehr früh im Jahr Igel tagsüber „unterwegs“ sind (Igel sind nachtaktive Tiere), sie haben auf jeden Fall ein Problem! (Bitte beachten: Igel wachen in wärmeren Gegenden, z.B. Rheinland und Nordrhein-Westfalen früher auf!)
  • Haben Sie einen Garten? Pflanzen Sie eine Wildfruchthecke, oder legen Sie eine Trockenmauer mit Hohlräumen an, bauen Sie ein Insektenhotel, oder bereichern Sie Ihren Garten mit einem Teich, lassen Sie ein Stück Rasen zur Wiese wachsen – innerhalb von wenigen Wochen produziert sich ein wertvolles Biotop! Hängen Sie Vogelnistkästen auf, pflanzen Sie bienenfreundliche Blumen. Ihre heimischen Wildtiergäste werden es Ihnen danken!

April – Mai – Juni

Der Winterschlaf der Igel endet, wenn auch die Nachttemperaturen über 10° C ansteigen, meistens ist das Mitte bis spätestens Ende April der Fall, in einigen Bundesländern – z.B. Nordrhein-Westfalen oder im Rheinland ist die Winterschlafzeit meistens schon 4 Wochen früher zu Ende. Sieht man im Garten um diese Zeit oder ggf. auch früher erste Kotspuren, darf man gerne eine regelmäßig zu beschickende Wasserstelle einrichten. Igel haben jetzt fast 6 Monate Winterschlaf ohne Futter und Wasser hinter sich, mit einer kurzfristigen (maximal 3 Wochen) Futterstelle helfen wir dem Stacheltier schneller wieder auf die Beine. Eine vollwertige Mahlzeit für Igel ist schnell hergestellt mit drei Teilen Katzendosenfutter und einem Teil Igeltrockenfutter, das man im Tierfutterhandel kaufen kann (alternativ: in zerlassener Margarine geschwenkte Vollkernhaferflocken).

  • Viele Menschen, auch Naturschutzverbände, raten von Futterstellen für Wildtiere ab. Gegen ein kurzfristiges Futterangebot ist aber nichts einzuwenden. Zu bedenken ist, dass Igel nur noch über sehr kleine Lebensräume, die nicht sehr naturnah und damit auch nahrungsarm sind, verfügen. Hinzu kommen Straßen und andere Hindernisse, die des Igels Lebensraum zerschneiden und ihn in zusätzliche Gefahr bringt. Igel sind nützlich im Garten und vertilgen allerhand Ungeziefer! Erhalten Sie sich den stacheligen Helfer mit einer kurzfristigen Vollwertfutterstelle im Frühjahr nach dem langen Winterschlaf und im Spätsommer vor dem nahenden Winterschlaf.
  • Bei Gartenarbeiten gilt: VORSICHT mit gefährlichen Gartengeräten! Stechen Sie nicht unbedacht in den Komposthaufen. Stechen Sie nur dann mit dem Spaten zu, wo man auch hinsehen kann. Beim Einsatz von Motorsensen schauen Sie vorher nach, ob Igel oder andere Wildtiere im vermeintlichen Schutz des Grüns sitzen! Bitte mähen Sie nicht unter Hecken und Sträuchern, hier verschlafen nicht nur Igel den Tag. Hier sitzen z.B. auch Vogelküken, die noch von den Vogeleltern gefüttert werden.
  • Öffnen Sie Ihre Zäune! Viele Gärten sind mit Maschendraht oder Holzzäunen umrandet. Ein Igel braucht ca. 2.000 qm Grünfläche, um satt zu werden. Damit die Wildtiere wandern können, hilft es, wenn Sie zwei oder drei 10 x 10 cm große Öffnungen in den Zaun sägen oder beim Maschendraht einfach 2 Maschen „ausschneiden“.
  • Wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind, seien Sie vorsichtig in der Nacht! Igel sind bei Einbruch der Dunkelheit, um Mitternacht und im Morgengrauen unterwegs.
  • Wertstoffsäcke erst kurz vor der Abholzeit an die Straße stellen oder an den Zaun hängen. Igel klettern in die Müllsäcke und lecken Dosen und Becher aus, weil sie Hunger haben.
  • Keine offenen Müllsäcke stehen lassen, Igel klettern hinein und landen somit auf der Mülldeponie.
  • Stellen Sie keine Mauseoder Rattenfallen auf. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, bitte nur auf einem erhöhten Bretterstapel oder auf dem Dachboden!
  • Manchmal hört man im Garten lautes Schnaufen, das stundenlang anhalten kann: Die Igelpaarungszeit beginnt – ein Igelkarussell kann man an lauen Sommerabenden beobachten. Wenn am nächsten Tag morgens noch zwei Igel einfach so herumliegen und schlafen, stupst man sie an, dann huschen sie schnell wieder unter das Gebüsch und merken, dass es hell geworden ist.

Juli, August, September

Vorsicht bei Gartenarbeiten! Igelweibchen sind mit dem Nestbau für den Nachwuchs beschäftigt, sie benötigen dafür Stroh, Heu, Moos usw. Räumen Sie nicht alles im Garten weg. Halten Sie eine Ecke in Ihrem Garten frei von Gartenarbeiten. Igel brauchen 6-8 Wochen, um ihren Nachwuchs in Ruhe aufziehen zu können. Störungen verursachen massiven Stress im Igelwurf – die Igelmutter fackelt nicht lange und zieht mit allen Kindern um. Eine solche Aktion ist aber immer gefährlich.

  • Setzen Sie Igel nie in gutgemeinter Absicht um! Es könnte eine säugende Igelmutter sein! Sie nehmen sonst den Kindern das Muttertier weg. Eine Igelmutter hat meistens 5-7 Igelkinder. Igelkinder sind gut erzogen, sie bleiben im Nest, bis das Muttertier von der Futtersuche wiederkommt. Ist dem Muttertier etwas zugestoßen, warten die Kleinen oft bis zu einer Woche, bevor sie vor Hunger das Nest verlassen. Wenn Sie also einzelne 100-160g Igel oder noch kleinere herumlaufen sehen, ist es ein Notfall. Wenn Sie helfen wollen, nehmen Sie die Tiere auf. Erste Hilfe: saubere und warme Box, Futter und Wasser – RUHE! Wenn die Igelwaisen deutlich weniger als 100 g wiegen, noch keine Zähne haben oder in schlechtem Zustand sind, muss der gesamte Wurf auf dem schnellsten Weg in eine erfahrene Igelstation.

Oktober, November, Dezember

Die Natur hat es gut eingerichtet! Alttier-Männchen gehen Ende Oktober in den Winterschlaf, Igelweibchen folgen Mitte bis Ende November, und die Jungtiere laufen manchmal noch bis Anfang Dezember herum, bis auch sie von der Kälte müde werden und einschlafen.

Idealgewichte kurz vor dem Winterschlaf:
Alttiere: ca. 1000 g – gerne auch mehr
Jungtiere: ca. 500 g

Wenn Sie einen Garten haben: Bauen Sie einen sterilen Garten in ein naturnahes Areal um! Private Gärten sind wichtige Rückzugsgebiete für heimische Wildtiere, Sie haben es in der Hand!