Ein Fall aus der Praxis - Milbenbefall bei Igeln

von: Karolin Schütte, Tierärztin im aktion tier Igelzentrum

Ende März wurde der Igel Samson mit nur 203g im aktion tier Igelzentrum Niedersachsen abgegeben. Der kleine Igel muss gerade aus dem Winterschlaf aufgewacht sein und war in einem sehr schlechten Zustand. Samson litt an einem sehr starken Milbenbefall.

Bei solch einem hochgradigen Milbenbefall sind die kleinen Parasiten schon mit dem bloßen Auge auf dem Tier erkennbar. Am stärksten betroffen sind in der Regel die Ohren sowie die Gesichtspartie. Die sehr kleinen Milben können, als sich bewegende weiße Punkte, erkannt werden.

Bei geringem Befall hilft ein Klebestreifen, welcher auf auffällige Hautpartien gedrückt und anschließend unter dem Mikroskop betrachtet werden kann. Bestimmte Milbenarten sitzen allerdings tief in der Haut und können nur durch den Tierarzt, mit Hilfe des tiefen Hautgeschabsels, diagnostiziert werden. Auch krustige Hautveränderungen, Schuppen, Stachelverlust und ein starker Juckreiz weisen auf einen Milbenbefall hin. Ähnliche Symptome zeigen sich jedoch auch bei einem Hautpilzbefall. Da die häufig auf dem Igel anzutreffende Milbe Caparinia tripilis zudem Trichophyton-Arten (Erreger von Hautpilzerkrankung) übertragen kann, sind die Tiere oftmals sowohl mit Milben als auch mit einem Hautpilz infiziert.

Beide Erkrankungen ziehen eine langwierige Behandlung mit sich. Da bei starkem und flächenhaften Stachelverlust das Tier schlecht gegenüber Beutegreifern geschützt ist, müssen die Tiere meist über eine längere Zeit gepflegt werden. Samson musste also für einige Zeit im Igelzentrum bleiben, bis wieder genug Stacheln nachgewachsen waren, damit er wieder ausreichend geschützt ist.

Ende Mai war dies der Fall und Samson konnte wieder in die Natur entlassen werden. Er wog zu dem Zeitpunkt schon über 600g. Vom Milbenbefall war nach zwei Monaten in Pflege nichts mehr zu erkennen.

Auffällig ist, dass in diesem Frühjahr sehr viele Igel mit Milben befallen waren. Vermutlich ist der eher milde Winter daran schuld, da sich aufgrund der hohen Temperaturen die Parasiten weiter vermehren konnten.