Girls Day im aktion tier Igelzentrum: Der Beruf der Tierpflegerin

Ein Bericht von Simone Schweiger, Tierschutzpädagogin von aktion tier e.V.

Tierpfleger? Das muss ein toller Beruf sein! Viele Schülerinnen und Schüler möchten später eine Ausbildung zum Tierpfleger machen. Doch was steckt hinter der Berufsbezeichnung? Wie sieht der Alltag eines Tierpflegers aus, und welche Eigenschaften sollte man mitbringen, um gut und glücklich in diesem Beruf zu werden?

Das Igelzentrum in Laatzen muss man sich so vorstellen: Mitten in einer schönen Siedlung voller Einfamilien- und Doppelhäuser steht es. Mit blauer Farbe verziert und von einem insekten- und igelfreundlichen Garten umrandet. Von außen ein gewöhnliches Haus, von innen eher ungewöhnlich. Und diese Ungewöhnlichkeit kann man riechen. Bei unseren Projektwochen zum Tierschutzunterricht im Igelzentrum, halten sich die Schüler für in der Regel erst einmal einige Zeit die Nase zu, denn Igel Kot stinkt! Und den Geruch bekommt man so schnell nicht aus dem Haus, egal wie gut man lüftet. Das merkten auch die Girls Day TeilnehmerInnen schnell. Nach einer kleinen Begrüßungsrunde ging es direkt mit einer Führung durch das Haus los. Im Erdgeschoss schauten wir uns zunächst den Behandlungsraum der Tierärztin genauer an. Neben der Verwendung von Waage, Flohund Zeckenspray erklärten wir den Zuhörern, wie so eine Igelpatientenaufnahme abläuft. Dreimal die Woche können Igelfreunde verletzte oder kranke Tiere im Igelhaus abgeben. Die kleinen Igel werden dann von unserer Tierärztin untersucht und verarztet. Dazu muss ein Aufnahmeprotokoll ausgefüllt werden. Jeder Igel bekommt eine Nummer, wird gewogen und einer der vielen Igelboxen zugeteilt. Sein Stachelkleid wird von Parasiten befreit, der Kot des Tieres wird untersucht, und der Finder wird befragt, ob er den Igel, nachdem dieser wieder geheilt ist, bei sich zuhause auswildern kann.

Die meisten Igel waren im Winterschlaf

Dann ging es weiter: Wir führten die tierbegeisterten SchülerInnen in den ersten Stock. Dort befindet sich die Haupt-Igelstation. Igelboxen, immer drei übereinander, füllen dort die Wände in zwei Räumen. Hier fressen sich die Igel im Herbst die Bäuche voll. Der erste Raum war bei unserer Besichtigung im März leer, im zweiten Raum waren nur drei Igelchen – warum? Das fragten sich auch die SchülerInnen. Aber sie haben die Lösung schnell gefunden. Unsere Schützlinge waren zu dieser Zeit alle im Winterschlaf und den machen sie im Igelzentrum nicht im ersten Stock, sondern im Keller. Denn im ersten Stock ist es zu warm. Und wenn es zu warm ist, schlafen die lieben Igelchen nicht ein. Das hat die Natur so im Igel angelegt. Er schläft im Winter nur, weil seine Nahrung – Insekten, Spinnen, Schnecken und Würmer – sich in der kalten Jahreszeit verkriechen und teilweise erstarren. So findet der Igel keine Nahrung und würde verhungern, wenn er keinen Winterschlaf machen würde. Die drei wachen Igel waren erst gefunden und abgegeben worden und noch zu schwach, um zu schlafen, deshalb durften sie oben bleiben und sich dick fressen.

Weiter ging es unter dem Dach. Hier befindet sich die Quarantänestation – eine Station für Igel mit ansteckenden Krankheiten, die deshalb nicht mit anderen Stachelträgern in Berührung kommen dürfen. Auch diese war zum Zeitpunkt unseres Rundganges leer. Die ansteckenden Igelchen konnten geheilt und auch zum Winterschlaf in den Keller gebracht werden. Neben der Station besichtigten wir einen weiteren Raum unter dem Dach – ein zusätzliches Behandlungszimmer – hier können Tierärztin und TierpflegerInnen Parasiten der Tiere unter dem Mikroskop untersuchen und im Notfall Igel zur Behandlung oder Operation in Narkose, also in einen künstlichen Schlaf, legen. Auch unsere Girls Day TeilnehmerInnen versuchten sich im Mikroskopieren. Von oben nach unten ging es weiter in den kalten und streng riechenden Keller. Mucksmäuschenstill, um die schlafenden Igelchen nicht zu wecken, schlichen wir um die Boxen. Etwa 130 Igel schliefen dort; jeder in seiner eigenen Box, welche mit Zeitung, etwas Trockenfutter bestehend aus Fleisch und Würmern, einer Schale Wasser und einem kleinen, zeitungsgefüllten Häuschen ausgestattet war.

Nach einer Pause mit leckerem, veganen Buffet ging es von der Theorie über in die Praxis! Unsere tierschutzbegeisterten SchülerInnen waren schließlich gekommen, um selbst aktiv zu helfen. So teilten wir uns in zwei Gruppen auf – eine Gruppe half Arlene bei der Reinigung und Versorgung der schwachen Tiere im ersten Stock, während die anderen Mitmacherinnen zusammen mit mir Auswilderungsboxen für die Igel bauten. In diesen Karton-Boxen werden die gesunden und aus dem Winterschlaf erwachten Igel von ihren Abholern an einen geeigneten Ort, zum Beispiel einen igelfreundlichen Garten transportiert. Dann wird das eingebaute Türchen geöffnet und die Igel können sich an ihre neue Umgebung gewöhnen. Nach einigen Tagen verlassen die Igel das Häuschen in der Regel endgültig, kehren nicht mehr zurück, und das vorübergehende Zuhause kann entsorgt werden. Nachdem beide Gruppen sowohl Igelhäuschen gebaut als auch bei der Reinigung und Versorgung der Tiere mitgeholfen hatten, mussten wir uns auch schon verabschieden.

Wer neugierig geworden ist, kann gerne selbst einmal aktiv mithelfen!

Hier ist eine Übersicht über unsere Einrichtungen – vielleicht ist eine davon ja ganz in der Nähe? Bei Fragen und für weitere Informationen stehen wir gerne zur Verfügung. Unsere Tierschutzpädagogin Simone erreicht man entweder telefonisch unter 0177 4243085 oder per E-Mail unter tierschutzpaedagogin[at] remove-this.aktiontier.org.