Forschung im aktion tier Igelzentrum

Dass der in Deutschland heimische Europäische Braunbrustigel Krankheitserreger wie Salmonellen und Trychophyton spp. auf den Menschen übertragen kann, ist bekannt. Durch diese Erreger können beim Igelpfleger Durchfallerkrankungen oder Hautveränderungen auftreten. Ob der Igel noch weitere Krankheitserreger auf den Menschen übertragen könnte, gilt es weiterhin zu erforschen.

Ein Bericht von Karolin Schütte

Seit Oktober werden im aktion tier Igelzentrum Niedersachsen Igel im Rahmen des Dissertationsprojektes „Vorkommen von Parasiten und Vektor-übertragenen Zoonoseerregern beim Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) im Raum Niedersachsen“ durch Karolin Schütte, Tierärztin und Doktorandin am Institut für Parasitologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, beprobt.

Der Lebensraum des Kulturfolgers Igel überschneidet sich immer mehr mit dem der Menschen. Durch diesen engen Kontakt sind Begegnungen mit dem stacheligen Säugetier sehr häufig. Hilfsbedürftige Igel werden daher oft in menschliche Obhut genommen. Beim Umgang mit Wildtieren besteht allerdings stets die Gefahr der Übertragung von gewissen Erregern, welche sowohl Tiere als auch den Menschen befallen können. Erkrankungen dieser Art werden als Zoonosen bezeichnet. Zu den durch Zecken übertragenen Zoonosen zählt zum Beispiel die Borreliose oder auch die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Aber auch Magendarmerkrankungen können durch Zoonose-Erreger ausgelöst werden. Dazu zählen einzellige Parasiten wie Giardien und Kryptosporidien, welche auch in der Kleintier- beziehungsweise Rindermedizin eine Rolle spielen. Die Beteiligung des Igels an der Verbreitung solcher Zoonose-Erreger soll in dem Projekt untersucht werden.

Die Igel werden parasitologisch untersucht

Die Hauptarbeiten erfolgen in der aktion tier Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen sowie im Institut für Parasitologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Da jedoch ein Großteil der in Hannover und Umgebung gefundenen Igel im aktion tier Igelzentrum Niedersachsen abgegeben werden, findet eine Zusammenarbeit mit dieser Station statt. Dort werden in den nächsten zwei Jahren die Igel parasitologisch komplett auf den Kopf gestellt.

Es werden sämtliche Ektoparasiten der Igel gesammelt. Dazu zählen hauptsächlich Zecken und Flöhe, aber auch Milben, Fliegeneier und Fliegenmaden sind auf den Tieren zu finden. Im Labor sollen später die Zecken auf das Vorkommen von Borrelien untersucht werden. Zudem wird Kot der Tiere gesammelt und durch ein umfangreiches Verfahren auf alle relevanten Endoparasiten des Igels untersucht. Den Igeln wird außerdem eine kleine Menge Blut entnommen, um eine Untersuchung auf Antikörper gegen Borrelien und FSME-Viren durchzuführen.

All das zum Schutz von Mensch und Tier. Wir möchten vor allem das Bewusstsein des Menschen über die Infektionsgefahr bei der Arbeit mit Wildtieren stärken. Durch einen gewissenhaften Umgang mit den Tieren, insbesondere das Einhalten von hygienischen Maßnahmen, kann Infektionen effektiv vorgebeugt werden. Zudem hoffen wir, dass mit den gewonnenen Erkenntnissen der Igel auch vor unsachgemäßen Eingriffen des Menschen geschützt wird.

Wildtiere, insbesondere Jungtiere, werden leider immer wieder fälschlicher Weise aus der Natur entnommen. Nicht immer bedeutet dies eine bessere Überlebenschance für das Tier, insbesondere weil die Jungtieraufzucht in menschlicher Obhut meist weniger erfolgsversprechend ist als in der Natur. Zudem zählt der Europäische Braunbrustigel zu den besonders geschützten Arten, und es ist, bis auf bestimmte Ausnahmen, verboten diese in Besitz zu nehmen (§44 Bundesnaturschutzgesetz). Dennoch werden häufig vermeintlich hilfsbedürftige Wildtiere eingesammelt. Um einen möglichst effektiven Artenschutz zu erreichen sollte also immer abgewogen werden, ob ein Tier tatsächlich Hilfe benötigt oder ob es besser in seinem natürlichen Lebensraum belassen werden sollte. Bei dieser Entscheidung können Wildtierstationen wie das aktion tier Igelzentrum Niedersachsen und die Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen helfen.

Sollte ein Igel dennoch Hilfe benötigen, gibt es glücklicherweise viele engagierte Tierschützer, die sich hingebungsvoll um die stacheligen Pfleglinge kümmern. Durch die Einhaltung von guten hygienischen Maßnahmen, wie zum Beispiel das Tragen von Handschuhen, eine gründliche Händereinigung und desinfektion sowie die strikte Trennung von privaten Wohnraum (insbesondere der Küche) und der Igelunterbringung, kann eine Infektion vermieden werden. Durch dieses gewissenhafte Vorgehen in der Igelpflege kann dem Igel geholfen und der Mensch vor möglichen durch den Igel übertragenen Erkrankungen geschützt werden.